Investoren lassen Portugal bluten

6. April 2011, 17:14
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Im April kann Portugal seine Schulden noch zurückzahlen. Ob es das im Juni auch noch kann, ist ungewiss

Im April kann Portugal seine Schulden noch zurückzahlen. Ob es das im Juni auch noch kann, ist ungewiss. Angeblich wird schon mit der EU verhandelt. Neue Krisengerüchte gibt es auch für Griechenland.

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Lissabon - Die Gerüchte wollen nicht abreißen: Die portugiesische Regierung verhandle mit der EU, wie das angeschlagene Land seinen Zahlungsverpflichtungen weiter nachkommen könne, berichtete die Financial Times am Mittwoch. Offiziell ist freilich weiter nicht von Hilfen die Rede. Im laufenden Wahlkampf hat die scheidende Regierung von Ministerpräsident José Sócrates bisher stets dementiert, unter den Rettungsschirm schlüpfen zu wollen.

Wie angespannt die Lage des Landes ist, hat sich aber erst am Mittwoch wieder gezeigt. Für Anleihen im Ausmaß von einer Milliarde Euro mit einer Laufzeit von nur sechs bzw. zwölf Monaten mussten die Portugiesen mehr als fünf Prozent Zinsen zahlen - um rund zwei Prozent mehr als beim letzten Anleiheverkauf.

Die Ausgabe von Schuldtiteln mit einer Laufzeit von mehr als zwei Jahren gilt an den Finanzmärkten in der Zwischenzeit als kaum mehr möglich. Zuletzt haben portugiesische Banken gedroht, keine Anleihen mehr zu kaufen. Investoren gehen durch die Bank davon aus, dass die Portugiesen nicht ohne Hilfe auskommen werden.

Die Frage ist aber, wann ein Hilfsantrag kommen könnte. Gewählt wird erst am 5. Juni. Wie die Rückzahlung der Schuldentranche im Juni erfolgen soll, ist noch vollkommen offen. Nur jene für den April (siehe Grafik) dürfte gesichert sein. Unklar ist auch, ob die Übergangsregierung überhaupt über ein Mandat verfügt, um Hilfe zu ersuchen.

Trotz aller Dementis nicht verstummen wollen auch die Gerüchte über eine Umstrukturierung der griechischen Staatsschulden. Mehrere Euro-Länder rechnete mit einem solchen Schritt, berichtete die Financial Times Deutschland.

Offiziell wird aber auch in diesem Fall weiter alles bestritten: "Uns sind solche Diskussionen nicht bekannt", sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel. Die griechische Regierung erfülle das mit ihr ausgehandelte Sanierungsprogramm. Dadurch werde das Land seinen Haushalt in Ordnung bringen, wettbewerbsfähiger werden und das Vertrauen der Finanzmärkte zurückgewinnen. (Reuters, go, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.4.2011)

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