Kunsthaus Bregenz: Ai-Weiwei-Ausstellung wird schwierig

6. April 2011, 12:53
4 Postings

Sorge um inhaftierten Künstler - Daten unter Verschluss

Bregenz/Peking  - Die Festnahme des regierungskritischen chinesischen Künstlers Ai Weiwei löste auch im Kunsthaus Bregenz einige Sorge aus. Das KUB plant von 16. Juli bis 16. Oktober eine Ausstellung zu Ai Weiweis Architekturkooperationen. Die Vorbereitungen gestalten sich wegen beschlagnahmter Daten aber schwierig.

"Die Besorgnis ist ganz unabhängig von unserer geplanten Ausstellung natürlich sehr groß. Es ist aus unserem Rechtsverständnis heraus unfassbar, dass jemand ohne Anklage so lange festgehalten wird, ohne die Möglichkeit einer Kontaktaufnahme zu Familie oder Freunden", so KUB-Direktor Yilmaz Dziewior.

Er sei persönlich sehr betroffen, da er den Künstler kenne und ihn mehrfach getroffen habe, so Dziewior. "Wir waren die vergangenen Monate permanent im Austausch wegen der Ausstellung. Ai Weiwei war auch bereits einmal hier in Bregenz, um sich die Räume anzusehen. Im Mai sollte er wiederkommen und auch zur Ausstellungseröffnung natürlich hier sein".

Die Planungen für die Bregenzer Ausstellung laufen unterdessen weiter - trotz schwieriger Bedingungen. In Ai Weiweis Studio in Peking seien alle Computer beschlagnahmt worden, also auch die für die Schau benötigten Informationen. Dies betreffe auch die privaten Computer der Assistenten des Künstlers, die auf dem Studiogelände lebten, so Dziewior. Zudem sei der Strom abgedreht worden, das erschwere die Kommunikation zusätzlich.

Man sei daher dort quasi im Ausnahmezustand, auch wenn sich die Mitarbeiter bemühen, Ruhe zu bewahren. Die Assistenten würden alles versuchen, um die anstehenden Projekte dennoch weiterlaufen zu lassen. "Wir stehen derzeit vor allem über Festnetztelefon in Kontakt. (...) Wir werden die für Bregenz geplante Ausstellung auf jeden Fall durchführen", so Dziewior, der auf die Wirkung der politischen Interventionen gegen die Festnahme hofft. 

"Komplexität" des chinesischen Rechtssystems

Die chinesische Staatszeitung "Global Times" griff die Festnahme Ais als erstes chinesisches Medium auf und gab an, ihre Informationen "von ausländischen Medien" erhalten zu haben. In ihrem Bericht wies die Zeitung den Protest westlicher Staaten gegen die Festnahme zurück. Diese verstünden "die Komplexität" des chinesischen Rechtssystems nicht, hieß es.

Nach Einschätzung der  "Global Times" habe sich Ai mit seinen Aktionen an der Grenze zur Illegalität bewegt: "Ai Weiwei wird möglicherweise verstehen, dass er sich bei zahlreichen Gelegenheiten äußerst nah an die rote Linie herangewagt hat". Sollte er seine Aktivitäten fortsetzen, sei es "wahrscheinlich, dass er die Linie überschreiten" werde. Viele seiner Projekte seien "aus rechtlicher Sicht doppeldeutig", hieß es weiter.

Der Sohn des berühmten chinesischen Poeten und Malers Ai Qing (1910-96), welchen die Kommunisten von 1958 bis 1978 mit einem Publikationsverbot belegt hatten, war am Sonntag von der Grenzpolizei festgenommen worden, als er ein Flugzeug nach Hongkong besteigen wollte. Ai Weiwei sieht sich wegen seiner Kritik an der kommunistischen Führung der Volksrepublik regelmäßig Repressalien ausgesetzt. Sein Anwalt Liu Xiaoyuan sagte am Mittwoch, er habe seit Sonntag kein Lebenszeichen von Ai erhalten.

Zahlreiche Außenministerien und Künstlerverbände sowie Amnesty International haben die Freilassung Ais gefordert, das offizielle China hat bislang nicht reagiert. (APA)

Share if you care.