Schussopfer nach zwei Wochen gestorben

6. April 2011, 10:50
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Organe des 60-Jährigen dürften endgültig versagt haben - Psychologenteam betreut geschockte Mitarbeiter in der Behörde

Zwei Wochen lang gelang es den Ärzten, den 60-jährigen Alexander Mayer, Leiter der Forstabteilung in der Bezirkshauptmannschaft Wien-Umgebung in Klosterneuburg, nach einem Schussattentat mit Geiselnahme an der BH am Leben zu erhalten. Heute, Mittwoch, um 6.30 Uhr erlag der 60-Jährige im Wiener AKH aber doch seinen Verletzungen, teilte Bezirkshauptmann Wolfgang Straub mit. Mayer war vom 58-jährigen Alfred Fuchs aus Wolfsgraben durch mehrere Schüsse in den Unterleib niedergestreckt worden.

Der Zustand des Schussopfers habe sich gestern Abend zwar "ein wenig verschlechtert", so Straub zur APA, er galt für die Ärzte aber weiterhin als stabil. Dass seine Organe nun offenbar endgültig versagten, kam also ein wenig überraschend. Angesichts der Schwere der Verletzungen sei es letztlich aber wohl ein "Wunder der Ärzte" gewesen, dass der Abteilungsleiter noch zwei Wochen lang lebte.

Die psychologische Betreuung in der Behörde, die tageweise auch noch in der vergangenen Woche lief, wird nun wieder verstärkt. Ein Psychologenteam wurde bereits bestellt, um die geschockten Mitarbeiter zu betreuen. Am Nachmittag wollte sich der Bezirkshauptmann auch selbst um Angestellten kümmern. Vor allem bei den direkt Betroffenen aus der Forstabteilung und der 52-Jährigen, die als Geisel genommen wurde, sitze der Schock nun noch tiefer, sagte Straub.

Mann hinterlässt Frau und zwei Kinder

"Alexander Mayer war ein großes Vorbild - sowohl fachlich als auch kollegial, und er war bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr beliebt", zollte der Behördenleiter dem Verstorbenen, der knapp 30 Jahre lang im Landesdienst tätig war, Respekt. Mayer war verheiratet und hinterlässt zwei erwachsene Kinder. Auch Landeshauptmann Erwin Pröll kondolierte. Der Landeshauptmann kündigte in einer Aussendung an: "Wir werden weitere Maßnahmen für die Sicherheit überlegen." Zugleich sei es wichtig, die "Brücke zwischen Verwaltung und Bürger" nicht abzureißen.

Der Abteilungsleiter war am 22. März in seinem Büro in der Klosterneuburger Behörde von Fuchs niedergeschossen worden. Der Täter hatte laut Polizei mindestens zehn Schüsse abgegeben und den Mann auch mehrfach getroffen. Dann nahm er eine 52-jährige Mitarbeiterin als Geisel und hielt die Frau sechs Stunden lang in seiner Gewalt. Nachdem sie unverletzt befreit worden war, beging Fuchs Selbstmord. Grund für die Tat war ein jahrelanger Streit mit der Behörde um illegale Aufschüttungen auf dem Grundstück des Mannes, in Folge dessen auch seine Pferde versteigert bzw. von einem Verein versorgt werden hätten sollen. Der 58-Jährige habe drei Mitarbeitern deswegen "eine Lehre erteilen wollen, die sie ihr Leben lang nicht vergessen". (APA)

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