Sound der Untröstlichkeit

5. April 2011, 17:00
posten

ORF-Radiokulturhauses widmet sich E. M. Cioran, der Hymnen auf das NS-Regime schrieb

Insofern die Wahrheit den Menschen zumutbar sein muss, hat sich der Suhrkamp Verlag dazu entschlossen, aus Anlass des 100. Geburtstag von E. M. Cioran dieses Propheten der Verzweiflung mit einigen seiner entsetzlichsten Schriften zu gedenken. Cioran, von 1933 bis 1935 in Deutschland aufhältig, schreibt Hymnen auf das nationalsozialistische Regime - und windet insbesondere der "mystischen Führergestalt" Hitler grauenvolle Kränze (nachzulesen in der Textsammlung Über Deutschland). Im Großen Sendesaal des ORF-Radiokulturhauses widmet man sich am Donnerstag Cioran, dem abgeklärten Müßiggänger. Das ensemble xx. jahrhundert unter Peter Burwik spielt das 2007 entstandene Auftragswerk Nocturnal Walks des großen Jazzkomponisten und Flügelhornisten Franz Koglmann. Koglmann wird selbst zum Flügelhorn greifen, um seine Hommage an Sibiu/Hermannstadt, die europäische Kulturhauptstadt 2007, zu Gehör zu bringen. Das Opus, in dem Themen aus Haydns 27. Sinfonie in G-Dur variiert werden, soll die Ambivalenzen im OEuvre des untröstlichen Pessimisten Cioran widerspiegeln. Eine Podiumsdiskussion zum Wirken und Werken des Philosophen versammelt die Fachkräfte Peter Kampits, Madalina Diaconu und Meister Koglmann selbst. (poh/DER STANDARD, Printausgabe, 6. 4. 2011)


>> 7. 4.: Radiokulturhaus, Großer Sendesaal, 4., Argentinierstr. 30a. 19.30

  • Verbrachte Studienjahre in Hitler-Deutschland: E. M. Cioran (1911-1995). Foto: AFP

Share if you care.