Österreich als "Entwicklungsland"

8. April 2011, 17:46
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Medizin-Nobelpreisträger und HPV-Forscher Zur Hausen kritisiert niedrige Immunisierungsrate

Innsbruck - Der deutsche Medizin-Nobelpreisträger und Krebsforscher Harald zur Hausen hat Österreich in Zusammenhang mit seiner niedrigen Immunisierungsrate gegen Gebärmutterhalskrebs als "Entwicklungsland" bezeichnet. Es sei "extrem unbefriedigend", dass derzeit lediglich rund fünf Prozent der Mädchen die sogenannte "HPV-Impfung" in Anspruch nehmen, sagte Zur Hausen.

Kostenfrage?

In Australien oder England wären 80 Prozent der Mädchen zwischen elf und 17 Jahren immunisiert, in Deutschland immerhin noch 33 Prozent. Als Grund für die geringe Impfrate nannten VertreterInnen der Krebshilfe die Tatsache, dass in Österreich die Kosten für derartige Impfungen nicht von den Sozialversicherungsträgern übernommen werden. In vielen anderen EU-Länder sei dies nicht der Fall.

"Dabei setzen wir uns seit längerem dafür ein, dass die Kosten erstattet werden", erklärte Peter Fritsch, Präsident der Krebshilfe Tirol. Drei Impfungen müssten insgesamt durchgeführt werden. Kosten von bis zu 600 Euro würden dadurch anfallen. "Das ist für viele Menschen einfach nicht leistbar", meinte Gabriele Schiessling, Beiratsmitglied der Krebshilfe Tirol. Es sei darüber hinaus auch notwendig, dass die politisch Verantwortlichen, ÄrztInnen, LehrerInnen und Eltern mehr auf Aufklärung und Kommunikation setzten.

Auch Burschen durchimpfen

Zur Hausen sprach sich zudem dafür aus, dass nicht nur alle jungen Mädchen "vor der Einsetzung ihrer sexuellen Aktivität" geimpft werden, sondern auch junge Burschen. Denn auch sie könnten sich mit denselben Viren infizieren und diese auf ihre Partnerinnen übertragen. "Ein Krebs im Rachenraum beispielsweise, der bei Männern häufiger vorkommt, kann in rund einem Drittel der Fälle durch dieselben Viren entstehen wie der Gebärmutterhalskrebs", erklärte der Mediziner. In Österreich erkranken im Schnitt jährlich 357 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, 2009 starben laut Statistik Austria 141 Patientinnen.

HPV als Auslöser

Der Krebsforscher Zur Hausen wurde im Jahr 2008 mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet. Er entdeckte, dass Gebärmutterhalskrebs durch Humane Papillomviren (HPV) ausgelöst wird. Diese Erkenntnis führte zur Entwicklung einer Impfung gegen jene Virustypen, die für 70 Prozent aller Gebärmutterhalstumore verantwortlich seien. "Die HPV-Impfung verhindert die Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs. Das ist sicher", zeigte sich Zur Hausen überzeugt. (APA)

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    Elektronenmikroskopische Aufnahme mehrerer Humaner Papillomviren.

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