Auch Moody's stuft ab

5. April 2011, 14:52
6 Postings

Portugiesische Bonität sinkt von A3 auf BAA1 - Hilferuf der Banken

London - Als nächste Ratingagentur hat Moody's die Kreditwürdigkeit des finanzschwachen Portugals herabgestuft. Moody's senkte die Bewertung der Bonität am Dienstag um eine Note von A3 auf BAA1. Zudem steht das portugiesische Rating weiter unter Beobachtung, was eine neuerliche Herabstufung kurzfristig möglich macht. Im Vergleich zu den anderen marktführenden Agenturen Standard & Poor's (S&P) und Fitch liegt die Bewertung von Moody's noch um zwei Noten höher.

S&P und Fitch hatten die Bonität Portugals unlängst stark gesenkt. Bei beiden Agenturen liegt das Rating nur eine Note über dem sogenannten "Ramsch-Status", mit dem Ratingagenturen spekulative, also besonders risikoträchtige Anlagen kennzeichnen. Die jüngste Absenkung in der vergangenen Woche hatte S&P damit begründet, dass Portugal wahrscheinlich unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen und daher seine Schulden neu ordnen müsse.

"Ramsch"-Status hat unter den Euro-Ländern derzeit nur Griechenland. Zum Vergleich: Deutschland hat die Höchstnote "AAA" von S&P.

Banken drängen Regierung zu Hilferuf

Einem Bericht der Wirtschaftszeitung "Jornal de Negocios" zufolge wollen Portugals Banken in den kommenden Monaten den Kauf von Staatsanleihen des schuldengeplagten Landes einstellen und die Regierung zu einem Ruf nach internationalen Finanzhilfen drängen. Die Chefs der Banco Espirito Santo, der Millennium bcp und der Banco BPI hätten am Montag mit dem Chef der portugiesischen Notenbank über das Thema gesprochen, berichtete das Blatt am Dienstag. Die Banker halten es für nötig, dass die Regierung noch vor der Wahl am 5. Juni internationale Finanzhilfen beantragt. Bei den beteiligten Instituten und der Zentralbank war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Am Markt wird damit gerechnet, dass Portugal unter den Euro-Rettungsschirm schlüpft. Erschwert wird die Lage jedoch durch den Rücktritt der sozialistischen Minderheitsregierung von Jose Socrates, nachdem sie im Parlament keine Mehrheit für ein Sparpaket gefunden hatte.

Euro-Finanzchefs beraten am Freitag

Über die finanzielle Lage Portugals werden auch die Euro-Finanzminister am Freitag bei ihrem informellen Treffen im ungarischen Gödöllö diskutieren. Das sagten EU-Diplomaten am Dienstag in Brüssel. Mit schnellen Entscheidungen über eine internationale Finanzhilfe werde aber nicht gerechnet. "Erstens gibt es keinen Antrag aus Lissabon dazu, zweitens ist Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos nur noch geschäftsführend im Amt und kann deshalb kein Hilfsprogramm verhandeln", sagte ein Diplomat. Teixeira dos Santos müsste dazu vom Parlament ermächtigt sein. Bisher nimmt nur Irland Kredite aus dem europäischen Rettungsfonds EFSF in Anspruch.

Zu Medienberichten aus Portugal, wonach der geschäftsführende Regierungschef Jose Socrates beim Euro-Rettungsfonds eine "Zwischenhilfe" in Höhe von 15 Mrd. Euro beantragen könnten, sagten Experten, eine solche Möglichkeit für Zwischenhilfen gebe es derzeit nicht. (APA/Reuters)

Share if you care.