von Linda Reiter

16. Mai 2003, 12:42
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Mit Frau Petra entspann sich eine E-Mail-Konversation über ein Thema, das uns alle beschäftigt, obwohl wir uns diese Beschäftigung niemals werden anrechnen lassen können. Sie fragte mich: War bei Ihnen auch die nette Dame von der Versicherung, um Ihnen eine private Pensionsvorsorge anzubieten? - Nein, bei mir war der nette junge Mann von der Versicherung. Er gab mir auch gleich das Gefühl, bei der Caritas versichert zu sein. - P: Und, haben Sie es gemacht? Haben Sie die private Vorsorge abgeschlossen? - L: Noch nicht, werte Frau Petra. Ich habe mir Bedenkzeit erbeten. Ich möchte zuerst versuchen, den Unterschied zwischen Rente und Rendite zu verstehen. Vorsorge bedeutete für mich bis jetzt, am Samstag so einzukaufen, dass man am Montag gerade noch frühstücken konnte.

Herr Erich flüchtet vor solchen Sorgen: In meinem Freundeskreis reden alle nur noch über Pensionsmodelle. Gibt es wirklich keine anderen Themen mehr? Was ist mit Frühling, Sommer, Gastgärten, Badeseen und Almhütten? Warum spricht keiner über Fischzucht? Wissen Sie zum Beispiel, welch ein " hype" es ist, Störe zu züchten? Mit 18 Jahren werden die Fische laichreif. Wenn Sie heute mit der Zucht beginnen, können Sie im Jahr 2021 mit gut zehn Kilogramm Kaviar rechnen. Das bringt bei einem Kilopreis von sagen wir 3000 Euro genau 30.000 Euro Rendite pro Fisch. Nehmen wir an, Sie haben 50 Störe. . . - L: Danke, Herr Erich, für welche Versicherungsanstalt arbeiten Sie? Für die Beluga oder die Inter-Malossol? Ich komme Sie 2021 auf Ihrer Hazienda besuchen. - Wenn meine Pension für ein Zugticket zweiter Klasse reicht.

Freundlichst, Linda Reiter (Der Standard/rondo/16/5/2003)

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