Diskussion um Vergleich mit Tschernobyl-Werten

25. März 2011, 20:12
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Keine großen Veränderungen der Lage bei AKW Fukushima eins - Greenpeace: Unfall hat bereits höchste Stufe auf der siebenteiligen Skala

Die Situation beim havarierten japanischen AKW Fukushima eins ist weiter ernst, aber gegenüber den vergangenen Tagen hat sich keine große Veränderung ergeben. Das war die Conclusio der Pressekonferenz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) am Freitagabend in Wien. Sorge bereitet weiter der Reaktor 3, bei dem es offenbar ein Leck im Containment Behälter gibt und wo drei Arbeiter von radioaktivem Wasser kontaminiert wurden.

Zu diesem Unfall gab es nähere Details. Demnach ereignete sich der Unfall in der Turbinenhalle des Reaktors, "wo normalerweise keine Radioaktivität zu erwarten ist", wie IAEA-Experte Graham Andrew sagte. Wie genau das radioaktiv verseuchte Wasser in diesen Bereich eingedrungen ist, dazu hatte die IAEA noch keine Informationen. Unbestätigten Meldungen zufolge könnten die drei Arbeiter bereits Anfang kommender Woche aus dem Krankenhaus entlassen werden, ihr Zustand dürfte Graham Andrew zufolge nicht so schlimm sein wie ursprünglich befürchtet.

Die UNO hat nun ein dreiköpfiges Team, bestehend aus zwei Experten der IAEA sowie einem des UN-Ernährungsprogramms FAO, losgeschickt. Dieser Trupp soll unter anderem die japanischen Einsatzkräfte bei der Kontrolle der Nahrungsmittel unterstützen.

Vergleiche mit Tschernobyl 1986

Skeptisch äußerte sich Andrew zu dem Bericht der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), wonach bei dem Unfall in Fukushima ähnlich große Mengen an Jod-131 und Cäsium-137 freigesetzt wurden wie bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986. "Ich kann nichts zu einem Bericht sagen, den ich nicht kenne", so Andrew. Es würde ihn aber sehr wundern, wenn die ZAMG mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln solche Aussagen treffen könnte.

Die ZAMG-Experten nannten folgende Begründung für ihre Aussagen: "Aufgrund der zahlreich einlangenden Daten der Stationen (Messstationen der Vorbereitungskommission für die Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen, Anm.) in Japan, Kalifornien, Alaska und Russland war es der ZAMG möglich, Quellstärken der Substanzen Jod-131 und Cäsium-137 für die ersten Tage des Unfalles abzuschätzen. (...) Hochgerechnet auf die Dauer des Unfalles ergeben sich für diese flüchtigen Isotope Summen, die mit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vergleichbar sind."

Dies bedeute aber nicht, dass die Strahlendosis, welche die Menschen am Unglücksort in Japan treffe gleich hoch wie ehemals in der Ukraine sei. In Japan wurde ja ein Großteil der strahlenden Substanzen mit dem Wind auf den Pazifik verfrachtet und ging nicht mit Niederschlägen auf das Festland nieder.

Greenpeace: Kernschmelze findet statt

Die Umweltorganisation Greenpeace forderte, die AKW-Havarie auf die höchste Stufe der internationalen Atomunfallskala einzuordnen. Das wäre Stufe 7 der Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES). Aus der Atomanlage seien schon jetzt entsprechend große Mengen an Radioaktivität entwichen, teilte Greenpeace mit. Die japanischen Behörden sprechen bisher nur von Stufe 5. Greenpeace-Atom-Experte Christoph Lieven sagte der dpa, die Kernschmelze finde sicherlich schon statt. (APA)

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