Ministerium stellt Druckkostenzuschüsse ein

22. März 2011, 19:20
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Förderung von Büchern und Zeitschriften wird 2012 gestoppt - Forscher und Verleger fürchten Folgen

"Wenn man den Geisteswissenschaften in Österreich durch eine geringe Einsparung möglichst viel Schaden zufügen will, dann wäre das die richtige Maßnahme", sagt Markus Hatzer sarkastisch. Der Leiter des auf geistes- und kulturwissenschaftliche Publikationen spezialisierten Studienverlags in Innsbruck wurde zwar - wie alle anderen betroffenen Verleger und Herausgeber - vom Ministerium über eben diese Maßnahme noch nicht offiziell verständigt.

Dem Standard hingegen liegt die Bestätigung aus dem Wissenschaftsministerium bereits vor: "Es ist korrekt, dass das BMWF aus budgetären Gründen die Druckkostenzuschüsse einstellt", teilt Elisabeth Grabenweger, Pressesprecherin von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl, mit. "Im BMWF wird das Einsparen der Druckkostenzuschüsse als schmerzlicher Schritt gesehen, aus budgetären Gründen ist es aber leider notwendig."

Immerhin: Für das Jahr 2011 würden noch rund 700.000 Euro für Druckkostenzuschüsse zur Verfügung stehen. Die Maßnahme gilt dann ab dem 1. Jänner 2012 - und sie betrifft neben der Unterstützung wissenschaftlicher Bücher und Zeitschriften auch noch Konferenzförderungen.

Für die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften in Österreich ist das nach der angedrohten Einsparung der außeruniversitären Forschung die zweite Hiobsbotschaft innerhalb weniger Monate. Dürften sich die Schäden der institutionellen "Flurbereinigung" (aber auch die erhofften Einsparungen) dank der vom Ministerium selbst eingeleiteten Reorganisation der betroffenen Einrichtungen in Grenzen halten, sind die möglichen Folgen der eingesparten Druckkostenzuschüsse noch nicht ganz klar absehbar.

Offensichtlich ist, dass etliche wissenschaftliche Fachverlage wie den Studienverlag, Böhlau, den Czernin Verlag oder Turia+Kant mehr oder weniger stark darunter leiden werden. Betroffen sind aber auch ein paar Dutzend geisteswissenschaftliche Fachzeitschriften, darunter auch über Österreich hinaus angesehene Fachjournale wie die Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften (ÖZG), L'Homme/ Europäische Zeitschrift für feministische Geschichtswissenschaft oder Zeitgeschichte.

Ingo Vavra, Leiter des geisteswissenschaftlichen Fachverlags Turia+Kant, sieht die geplante Maßnahme zumindest für die eigene Buchproduktion nicht ganz so dramatisch: "Die Zuschüsse des Ministeriums für unsere Bücher waren in letzter Zeit ohnehin so gering, dass die 1000 bis 2000 Euro pro Buch auch nur mehr wenig Unterschied machen."

Ende der Publikation

Für Oliver Rathkolb hingegen, Ordinarius am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und Herausgeber des Fachjournals Zeitgeschichte, ist klar: "Das wäre das Ende unserer Publikationstätigkeit." Die im Jahr 1973 von Erika Weinzierl gegründete Fachzeitschrift sei in den vergangenen Jahren ohnehin nur dank höchster Effizienz beim Mitteleinsatz und Selbstausbeutung der Mitarbeiter erschienen. "Wenn das Ministerium seine ohnehin nicht allzu hohe Subventionierung einstellt, dann steigt uns das Wasser, das uns bis jetzt nur bis zum Hals stand, endgültig über die Nase", sagt Rathkolb, der weitere Kollateralschäden befürchtet: "Wenn das Ministerium aussteigt, könnte auch die Stadt Wien oder die Universität Wien nachziehen."

Die geplante Einsparung ist für ihn jedenfalls ein weiterer Hinweis darauf, dass man es mit den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften im Ministerium nicht gut meine und ohne Plan agiere. Denn so wie bei der außeruniversitären Forschung hätte man auch bei den Druckkostenzuschüssen zuerst einmal eine Evaluierung machen müssen. "Ein Problem war sicher, dass die Gelder nach der Gießkanne vergeben wurden und wenig auf Qualität geachtet wurde."

Für den Verleger Markus Hatzer gehen die möglichen Folgen noch weit über die Verlage hinaus: Er sieht den "Geisteswissenschaftsstandort" Österreich nachhaltig gefährdet:. "Man trifft damit vor allem auch die in diesen Bereichen tätigen Nachwuchsforscher, die wichtige Publikationsmöglichkeiten verlieren." (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 23.03.2011)

 

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