Grünes Klatschen ist kein Kulturerbe

22. März 2011, 12:47
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Antrag abgelehnt: Die Rapid-Viertelstunde wird nicht in die Liste des Immateriellen Kulturerbes von Österreich aufgenommen

Wien - Die Ötztaler Mundart ist Teil des Immateriellen Kulturerbes in Österreich, genauso wie das Schmieden in Ybbsitz oder das Heiligenbluter Sternsingen. Das Klatschen der Rapid-Fans zur sogenannten Rapid-Viertelstunde wäre zu gerne eines geworden, darf aber keines sein, der Antrag wurde einstimmig abgelehnt. Diese Entscheidung gab die österreichische UNESCO-Kommission am Dienstag in Wien bekannt.

"Bei aller Würdigung der identitätsstiftenden Funktion schien es dem Fachbeirat doch sehr fragwürdig, ob ein bestimmter Ausdruck einer Fankultur die Kriterien erfüllt", so die Präsidentin der Kommission Eva Nowotny. Von den Antragstellern sei nach der Entscheidung allerdings ein "reizender Brief" eingetroffen, in dem es hieß, "eine Schiedsrichterentscheidung ist eine Tatsachenentscheidung" und daher zu akzeptieren. "Da herrscht also kein Unwille, sondern Sportsgeist", lobte die Präsidentin.

15 neue Eintragungen

Den Vorzug erhielten diesmal unter anderem die Sprache der Burgenland-Roma, das Weihnachtslied "Stille Nacht" und zahlreiche regionale Faschings- und Feiertagsbräuch. Mit den 15 neuen Eintragungen umfasst die Liste nun 45 Positionen von der Handwerkskunst bis zu Ritualen und von landwirtschaftlicher Praxis bis zu Tänzen und Sprachen.

Das Roman, den spezifischen Dialekt der Roma im Burgenland, aufzunehmen, sei ein wichtiger Schritt "zur Erhaltung dieser kulturellen Insel", so Nowotny. Vor allem die orale Tradition der Sprachweitergabe ist längst vom Aussterben begriffen.

Köhlerei und Pecherei

Ebenfalls selten geworden sind Handwerkstechniken wie die Köhlerei oder die Pecherei. Die traditionelle und höchst anspruchsvolle Erzeugung von Holzkohle beherrschen noch etwa 15 Personen in Österreich, die Pecherei, bei der Harz zur Herstellung von Terpentinöl oder Kolophonium gewonnen wird, betreiben heute nur noch acht Pecher. Fast ausgestorben wäre das Wirlinger Böllerschießen am Wolfgangsee, als das Böllern verboten wurde - durch spezielle Sicherheitstechniken haben die Wirlinger für ihre lange Feiertagstradition allerdings doch noch eine Genehmigung erhalten.(red/APA)

Folgende 15 Einreichungen wurden durch den Fachbeirat aktuell ausgewählt:

Mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen, einschließlich der Sprache als Trägerin des immateriellen Kulturerbes:

- Das Roman - Die Sprache der Burgenland‐Roma
- Vorarlberger Flurnamen

Darstellende Künste

- Dürrnberger Schwerttanz
- Österreichische Volkstanzbewegung

Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste

- Anklöpfeln im Nordtiroler Unterland
- Ebenseer Fetzenzug
- Gasteiner Perchten
- Mullen und Matschgern in den MARTHA‐Dörfern
- Lichtbratlmontag in Bad Ischl
- Stille Nacht - das Lied zur Weihnacht
- Windischgarstner Niglo‐Umzug
- Wirlinger Böllerschützen

Wissen und Praktiken in Bezug auf die Natur und das Universum

- Dreistufenlandwirtschaft im Bregenzerwald

Traditionelle Handwerkstechniken

- Köhlerei
- Pecherei in Niederösterreich

 

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    Und sie werden trotzem klatschen.

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