Riesch nach Absage Gesamtweltcupsiegerin

19. März 2011, 14:12
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Riesentorlauf findet nicht statt: Dreijährige Dominanz von Lindsey Vonn beendet - Rebensburg gewinnt Riesentorlauf-Weltcup

Lenzerheide - 1.728 zu 1.725 - Mit dem minimalen Vorsprung von drei Punkten hat sich Maria Riesch am Samstag erstmals in ihrer Karriere den Gesamtweltcup im alpinen Skiweltcup gesichert. Die Doppel-Olympiasiegerin beendete die dreijährige Dominanz der US-Amerikanerin Lindsey Vonn. "In der Außenwirkung sind Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften und Olympia höher, aber für mich ist der Gesamtweltcup das Größte, das man erreichen kann und von der sportlichen Seite her das Hochwertigste", sagte die 26-jährige Riesch.

Vierter deutscher Gesamterfolg

Da der Riesentorlauf am Samstag in Lenzerheide (Schweiz) witterungsbedingt abgesagt worden war, hatte Vonn keine Chance mehr, den Rückstand aufzuholen. Riesch sorgte in der Weltcupgeschichte für den vierten deutschen Gesamterfolg bei den Damen, zuvor hatten sich 1976 Rosi Mittermaier sowie 1996 und 1998 Katja Seizinger behauptet. Zum dritten Mal gab es eine so knappe Entscheidung, 1979 hatte sich Annemarie Pröll (AUT) drei Punkte vor Hanni Wenzel (LIE) durchgesetzt, 2005 in Lenzerheide Anja Pärson (SWE) ebenfalls drei Zähler gegen Janica Kostelic (CRO).

Für den deutschen Verband gab es am Samstag auch noch eine kleine Kugel zu feiern, Viktoria Rebensburg sicherte sich jene im Riesentorlauf. Riesch und Rebensburg erlebten den Moment der Erleichterung auch gemeinsam. Es war kurz vor halb acht, sie waren gerade ins Auto eingestiegen, um zur Besichtigung zu fahren, als im Teamhotel der Jubel losbrach und von den Balkonen gerufen wurde. "Wir sind uns dann vor dem Hotel um den Hals gefallen und haben die eine oder andere Träne verdrückt. Ich bin nicht der Typ, der Tränen verdrückt, aber in der Situation war es einfach so eine Befreiung und Riesenspannung, die da abgefallen ist", erzählte Riesch.

Zwei Hundertstel im Slalom entscheidend

Mit Platz vier im Slalom am Freitag hatte die Weltmeisterin von 2009 in dieser Disziplin wieder die Führung im Gesamtweltcup vor Vonn übernommen. Wäre sie nur zwei hundertstel Sekunden langsamer gewesen, hätte das Platz fünf bedeutet und Vonn wäre nach der Riesentorlauf-Absage zum vierten Mal in Folge Gesamtweltcupsiegerin gewesen. "Da wird einem erst im Nachhinein bewusst, was das Rennen gestern für eine Bedeutung hatte", sagte also auch Riesch, die 6 der 33 Saisonrennen gewonnen hat. Siege feierte sie in Abfahrt, Super-G, Slalom und Super-Kombination, im Riesentorlauf hatte sie als bestes Ergebnis Platz zwei zu Buche stehen.

Vonn feierte acht Siege, aufgeteilt auf Abfahrt, Super-G und Super-Kombination, im Riesentorlauf wurde sie einmal Dritte, im Slalom verpasste sie das Podest. "Maria ist eine sensationelle Saison gefahren, sie ist eine würdige Weltcupsiegerin. Lindsey war in den technischen Disziplinen gegenüber Maria im Hintertreffen. Für mich hat es sich Maria auch fast mehr verdient", sagte Österreichs Damen-Rennsportleiter Herbert Mandl. "Wenn es kein Rennen gibt und ich verliere um drei Punkte, bin ich sehr enttäuscht", hatte Vonn bereits am Vorabend Böses geahnt. "Lindsey wird sauer sein. Vielleicht ist es für sie ein Trost, dass sie letzten drei Jahre gewonnen hat", meinte Riesch.

Im Vorfeld der finalen Entscheidungen hatte es zwischen den beiden Freundinnen Zwistigkeiten gegeben, wie tief die Freundschaft noch ist, wird sich zeigen. Im April feiert Riesch Hochzeit, bleibt abzuwarten, wer auf der Gästeliste steht. "Wir haben uns Anfang der Woche abgestimmt, dass wir nicht mehr mitmachen wollen bei dem Schuhgeplänkel und den Dingen, weil die nichts bringen", erläuterte DSV-Alpinchef Wolfgang Maier, der nicht mehr länger mitansehen wollte, wie Riesch aufgebracht von dem "psychologischen Spielchen" von Vonn "wie ein Rumpelstilzchen rumhüpfte". Bei allem Festhalten an dem Thema Weltcupkugel hätten die Athleten akzeptieren müssen, wenn Vonn am Ende vorne sei, meinte er. Und traf auf eine für seine Anregungen sehr offene Riesch.

Den Kugelgewinn konnte Maier lange nicht wirklich glauben: "Es war komisch. Wir waren so fokussiert auf den Riesenslalom, auf diesen Showdown. Aber letztendlich ist es ein Produkt aus der ganzen Saison", sagte Maier, der von einem (erfolglosen) Protest der Amerikaner gegen die Rennabsage berichtete. Was dieser Titelgewinn für Riesch bedeute? "Sie hat nun alles geschafft, was eine Sportlerin im alpinen Skirennsport schaffen kann. Als ob man sich noch den letzten Diamanten in die Krone einsetzt." (APA)

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    Maria Riesch tritt endgültig aus Lindsey Vonns Schatten.

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