"Messenger" umkreist als erste Sonde den innersten Planeten

18. März 2011, 10:24
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Schwenk in den Orbit nach rund 7,9 Milliarden Kilometer langer Reise gelungen

Washington - Nach einer mehr als sechsjährigen Reise von rund 7,9 Milliarden Kilometer hat die NASA-Raumsonde "Messenger" endlich ihr Ziel erreicht. Die Sonde schwenkte in der Nacht auf Freitag erfolgreich in einen elliptischen Orbit um den Planeten Merkur. Das Manöver wurde gleichsam von einer Vollbremsung eingeleitet. Dabei verfeuerte das Haupttriebwerk in rund 15 Minuten etwa ein Drittel des Treibstoffs, den die Sonde beim Start an Bord hatte und reduzierte ihre Geschwindigkeit um 862 Meter pro Sekunde.

Mit dem Manöver ist eine echte Premiere gelungen: Noch nie zuvor in der Geschichte der Planetenforschung hat eine menschengemachte Sonde den Merkur umkreist.

Astronomen sind vor allem auch deshalb am innersten Planeten interessiert, weil es sich bei ihm um eine felsige Welt nahe bei der Sonne handelt. Nachdem inzwischen bereits mehrere Felsplaneten in fernen Sonnensystemen entdeckt werden konnten, erhoffen sich die Wissenschafter durch die genauere Erforschung von Merkur neue Aufschlüsse über die Beschaffenheit dieser Exoplaneten.

"Da wir bereits viele neue Planeten um fremde Sterne entdeckt haben, wollen wir mehr über die Auswirkungen des Solarwindes auf felsige Planetenoberflächen herausfinden. 'Messenger' hilft uns, die bereits gesammelten Daten von Exoplaneten besser zu interpretieren," erklärt Ann Sprague vom Lunar and Planetary Laboratory von der Universität von Arizona.

Tanz um die inneren Planeten

"Messenger" (MErcury Surface, Space ENvironment, GEochemistry and Ranging) hatte seine lange Reise im August 2004 begonnen und dabei zahlreiche Runden durch das innere Sonnensystem gedreht. Bei diesem Tanz um die inneren Planeten umkreiste die Sonde 15 Mal die Sonne und kam einmal an der Erde, zwei Mal an der Venus und drei Mal am Merkur selbst vorüber. Bei den drei Annäherungen konnten bereits viele Aufnahmen von der Oberfläche des kleinsten Planeten unseres Sonnensystems gemacht werden. Es waren die ersten detaillierteren Informationen über Merkur, seit die NASA-Sonde "Mariner 10" 1974 und 1975 den Planeten passiert hatte. Aber das, so sagen NASA-Forscher, waren nur "Probeaufführungen" im Vergleich zur Erkundungsmission von "Messenger", die jetzt begonnen hat.

Nach dem erfolgreichen Eintritt in den Orbit wird "Messenger" den Merkur in einem 12-Stunden-Rhythmus über den Zeitraum von einem Jahr hinweg in einer langgestreckten Ellipse umkreisen; die Umlaufbahn bringt "Messenger" bis zu 200 Kilometer nahe an Merkur heran, zu anderen Zeitpunkten ist sie wiederum mehr als 15.000 Kilometer entfernt.

Zu den Hauptaufgaben der Sonde zählt das Sammeln von Daten über den Aufbau und die Struktur der Merkur-Kruste, der Topografie und der geologischen Geschichte. Außerdem soll "Messenger" Informationen zur Beschaffenheit der dünnen Atmosphäre und der aktiven Magnetosphäre sowie zum Aufbau des Kerns liefern. Dabei stehen der Sonde sieben verschiedene Messinstrumente zur Verfügung. (red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Dieses Falschfarben-Bild vom Merkur schickte "Messenger" bei seinem Flyby im Jahr 2008 zur Erde.

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