Ephesos ist nach Linz gerückt

19. März 2011, 17:07
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Das Ars Electronica Center präsentiert den Hadrianstempel als maßstabsgertreues 3-D-Modell - mit ungeahnten Perspektiven

Wien/Linz - Mitte vergangenen Jahrhunderts haben österreichische Archäologen in Ephesos den Hadrianstempel ausgegraben und 1958 das Gebäude teilweise wieder aufgebaut. Seither zählt der Tempel neben der Celsus-Bibliothek und den Hanghäusern zu den bekanntesten Gebäuden am Pracht-Boulevard der antiken Metropole, der Kurtenstraße. Seit Donnerstag kann man das Bauwerk auch im Linzer Ars Electronica Center (AEC) "betreten" und hautnah erleben: und zwar in einer hochauflösenden 3-D-Rekonstruktion auf einer riesigen Projektionsfläche.

In einem im vergangenen Jahr gestarteten Forschungsprojekt erforscht Ursula Quatember vom Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) die Funktion des Hadrianstempels, der als eines der besterhaltenen und schönsten Gebäude in Ephesos gilt. Entgegen der ursprünglichen Ansicht mehren sich nämlich die Zweifel, dass es sich dabei tatsächlich um den offiziellen Kulttempel für Kaiser Hadrian gehandelt hat.

Schritte zur Rekonstruktion

Als einer der ersten Schritte für die Forschungsarbeit wurde im Vorjahr von der Firma Breuckmann, einer Tochter des Linzer Mechatronik-Spezialisten Vatron, ein hochauflösendes dreidimensionales Oberflächenabbild des Gebäudes erstellt. Mit diesen 3-D-Scans können die Wissenschafter untersuchen, welche Bauteile tatsächlich zusammenpassen, fehlende Bauteile wie das Dach virtuell ergänzen und das Bauwerk am Computer rekonstruieren.

Diese dreidimensionale Rekonstruktion wird nun auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In der Veranstaltungsreihe "Deep Space Live" des AEC kann man das maßstabsgerechte und detailgetreue 3-D-Modell auf einer riesigen Projektionsfläche von einer Plattform in fünf Metern Höhe betrachten. Im "Deep Space" projizieren acht hochauflösende Projektoren die Bilder sowohl auf die Wand als auch auf den Boden auf riesige Flächen von je 16 mal 9 Metern. Das virtuelle Modell erlaubt damit Blickwinkel, die selbst den Besuchern des realen Tempels in Ephesos verwehrt bleiben. So kann man etwa über den Tempel fliegen oder auf Augenhöhe Reliefs betrachten, die in der Realität in großer Höhe angebracht sind. (APA/red)

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