Schoeller Münzhandel 2010 mit Umsatz-Rekord

14. März 2011, 12:02
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Tochter der Münze Österreich steigerte Umsatz 2010 um ein Viertel

Wien - Die Schoeller Münzhandel GmbH, eine Tochter der Münze Österreich, hat ihren Umsatz 2010 um ein Viertel auf den bisherigen Rekordwert von 438,5 Mio. Euro gesteigert, und auch das EGT war neuerlich "deutlich positiv", wie die beiden Co-Geschäftsführer Gernot Maier and Gustav Mayer im Gespräch mit der APA erklärten. Dabei hatte es zunächst gar nicht danach ausgesehen: "Das erste Quartal 2010 war eigentlich seit Herbst 2008 bei weitem das schwächste Quartal, das wir hatten", sagte Gustav Mayer. "Aber dann hat die Griechenland-Krise unser Geschäft gerettet, so wie das Geschäft vieler Anderer in unserer Branche."

"Mai 2010 war nominell der Monat mit dem höchsten Umsatz, den wir je hatten", sagte Gernot Maier. "Da hat natürlich auch der hohe Goldpreis eine Rolle gespielt, aber auch volumensmäßig ist sehr viel an Gold und Silber bewegt worden in diesem Monat." Hinter dem Umsatz verbirgt sich ein Volumen von 110 Tonnen Silber, größtenteils in Münzen. "In Gold waren es 15 Tonnen, vor allem in Barren." Die Silber-Philharmoniker der Münze Österreich werden vor allem nach Deutschland exportiert, wo Silbermünzen dem niedrigeren Umsatzsteuer-Satz von 7 Prozent unterliegen. In Österreich gilt für Silber der normale Steuersatz von 20 Prozent, "der Privatanleger in Österreich kauft weniger Silber", so Maier.

Weil der Silber-Preis im vergangenen Jahr um 83 Prozent gestiegen ist (derzeit kostet eine Unze rund 25,60 Euro), hat die Münze Österreich die für heuer geplante Herausgabe neuer 5-Euro- und 10-Euro-Silbermünzen abgeblasen. Gehandelt würden die Münzen zwar sporadisch noch, aber "momentan kriegen wir nix rein über den Sekundärmarkt, weil sich's die Leute halt behalten", sagte Mayer. Die Silber-Nachfrage habe sich in den letzten Monaten vervielfacht, was auch an den längeren Lieferzeiten abzulesen sei. Silberbarren aus der Schweiz hätten derzeit eine Lieferfrist von fünf Wochen.

Goldpreis könnte weiter steigen

Die Performance von Gold lag 2010 bei +30 Prozent, und "eigentlich glaubt fast keiner, dass das eine Blase ist", sagt Gernot Maier. Die meisten Analysten würden mit einem weiteren Preisanstieg auf 1.500 bis 1.600 Dollar noch in diesem Jahr rechnen. Derzeit liegt der Goldpreis bei knapp 1.424 Dollar oder 1.020 Euro. Für einen weiteren Preisanstieg spricht laut Mayer, dass derzeit nur 0,8 Prozent des globalen Finanzvermögens in Gold und Silber angelegt seien. "Dieser Wert war vor 25 Jahren bei über 10 Prozent."

Gefördert werden könnten derzeit 2.500 bis 2.600 Tonnen Gold pro Jahr. "Danach wird das stagnieren bis sinken, weil in Zeiten, wo der Goldpreis niedrig war, nicht so viel in Exploration investiert wurde." Ein großer Teil des Angebotes komme auch vom Bruchgold, "wo Leute ihren Schmuck zu Geld machen. Das war aber in den letzten zwei, drei Jahren schon so hoch, das wir auch irgendwann versiegen." Die weltweite Nachfrage angeheizt haben im vergangenen Jahr auch Staaten. Russland habe 136 Tonnen Gold zugekauft, China 300 Tonnen, berichtete Maier. "Heuer hat die chinesische Regierung allein im Jänner und Februar 200 Tonnen Gold gekauft."

Großhandel

Der Schoeller Münzhandel macht sein Geschäft vor allem im Großhandel, nur 5 bis 6 Prozent des Umsatzes werden im Retailgeschäft erzielt. Der Exportanteil beträgt 85 bis 90 Prozent. Gernot Maier: "Das geht von Spanien bis China, und alles, was dazwischen ist. Wobei der Hauptexportmarkt sicher Deutschland ist." Dennoch soll im Herbst dieses Jahres zusätzlich zu den Geschäften in Wien, Graz und Innsbruck eine neue Filiale in Salzburg eröffnet werden.

In den letzten Jahren habe sich auch in Tschechien, der Slowakei und Ungarn eine Käuferschicht entwickelt, die zu Geld gekommen sei. "Das merken wir schon sehr stark. Für uns ist diese Region auch einer der Schwerpunkte unserer Strategie", sagte Mayer. Dort habe man den Umsatz letztes Jahr mehr als verdoppelt und in den östlichen Nachbarländern 100 Mio. Euro umgesetzt. "Tschechien und Slowenien sind da schon relativ gut entwickelt, die Slowakei und Ungarn hinken noch etwas nach", sagte Mayer. Polen? "Mühsam nährt sich das Eichhörnchen. Aber auch Polen wird erwachen in dieser Hinsicht."

Ein Zielmarkt mit Potenzial ist für das Führungsduo der Nationalbank-Enkeltochter Russland, das per April die Import- und Exportsteuer für Edelmetalle abschaffen will. "Es bleibt aber ein schwieriges Terrain mit Platzhirschen wie den beiden staatlichen Großbanken Sberbank und VTB. "Wir werden aber unsere Nische suchen und hoffentlich finden", sagt Mayer.

Eine Nische ist auch der numismatische Bereich, den laut Gernot Maier stark ausgebaut wurde. "Dieser Bereich führte über Jahre einen Dornröschenschlaf, wir konnten ihn nun etwas zum Leben erwecken." Mit den Sammlermünzen habe man einen Umsatz von 1,2 Mio. Euro geschafft. Der Anteil am Gesamtumsatz sei zwar gering, "aber man darf nicht vergesssen, das ist Endkundengeschäft mit entsprechenden Spannen", sagte Gustav Mayer. "Im Deckungsbeitrag spürt man das angenehm." (APA)

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