Die Donau soll verbinden und Geld bringen

10. März 2011, 19:17
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Eine neue Plattform will Kultur und Tourismus stärker vernetzen

Wien - Teilnehmer aus 21 europäischen Ländern fanden sich am Donnerstag im Leopold-Museum ein, um den Donauraum als "Danube Cultural Cluster" neu zu definieren. Das Projekt soll Kultur und Tourismus entlang der Donau neue Dynamik verleihen.

Zum Auftakt wurde ein Best-of schöner Donaubrücken auf die Leinwand projiziert. Die Brücke, inszeniert als zentrales verbindendes Symbol. Das österreichische Streicherinnentrio "Netnakisum" leitete virtuos zur Konferenz über, umrahmt von Bildern der österreichischen Malerin Florentina Pakosta, die, wie an der Ausstellungswand steht, "bei ihren Selbstbildnissen nie beschönigt hat".

Am Selbstbildnis der Donau wollte auch der ungarische Staatssekretär Gergely Pröhle nichts beschönigen: "Wir dürfen nicht leugnen, dass die kriegerische Geschichte im Donauraum nicht immer einfach war." Trotzdem müsse man nach vorne schauen und die Zukunft entlang des Flusses gemeinsam gestalten.

Auch der "Großmeister des Donauraums", wie der Vorsitzende des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa, Erhard Busek, von Kollegen genannt wird, attestierte dem Strom zwei entgegengesetzte Eigenschaften: "Flüsse können trennen, aber sie können auch überwinden." Dort wo sie trennen, könne Kultur verbinden. Deswegen solle der Donau-Kulturcluster auch die Gemeinsamkeiten der Region sichtbar machen.

Márton Méhes, der die Idee zum Projekt hatte und das Collegium Hungaricum in Wien leitet, versteht unter Cluster vor allem eine Plattform, die Kultur und Wirtschaft verbindet. Für ihn ist die Donau "ein Fluss, der seiner Region bestimmte Identitätskomponenten gibt". Als Teil der Donaustrategie der Europäischen Union soll der "Danube Cultural Cluster" die Donau als Qualitätsmarke etablieren und so diese Identität verkörpern. Es gehe aber auch um das Wirtschaftspotenzial des Kultursektors in der Region. Die Marke solle den Tourismus fördern und Geld bringen.

Eine Mitarbeiterin des bulgarischen Tourismusministeriums erklärte: "Für uns Bulgaren ist dieses Projekt hauptsächlich ein Weg, mehr Menschen an die Donau zu bringen. Fast alle verbringen ihren Urlaub am Schwarzen Meer." Immerhin verknüpfe die Donau einige der reichsten Länder Europas mit den ärmsten, sagte Gottfried Wagner, der im österreichischen Kulturministerium für Kulturstrategien zuständig ist. Um dieses ökonomische Gefälle abzubauen, soll es mehr Investitionen zum Nutzen aller geben.

Nur - wie soll der neue Donau-Kulturraum in der Praxis umgesetzt werden? Méhes gibt sich bescheiden: "Wir wollen nicht das Rad neu erfinden." Stattdessen soll ein erstes Ziel sein, die Homepage und eine Vernetzungsplattform aufzubauen. Außerdem seien schon viele neue Projekte geplant. Man denkt auch an einen Donaustand auf großen Buchmessen und eine Donau-Expo, wo sich Projekte der Region vorstellen können. Wie Erhard Busek am Ende seines Beitrags sagte: "Möge die Übung gelingen." (Andreas Hackl/ DER STANDARD, Printausgabe, 11.3.2011)

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