Karl Moik fühlt sich "links liegen gelassen wie ein dreckiges Tuch"

10. März 2011, 11:30
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Blick zurück auf 30 Jahre Stadlzeit - Jubiläumssendung am Samstag mit Hinterseer und Co. - Moik nicht dabei

Wien - Am Samstagabend (12.3.) ist wieder Stadlzeit: Seit bereits 30 Jahren spielen Musikanten auf, das Publikum schunkelt mit und der Moderator ist stets zu einem Späßchen aufgelegt. Bei der "Musikantenstadl"-Jubiläumssendung im Schweizer Fribourg am Samstag stehen mit Hansi Hinterseer, Stefan Mross, den Stoakoglern und anderen die Granden der volkstümlichen Musik auf der Bühne. Schlagersänger Andy Borg führt seit 2006 durch das Programm, und doch bleibt ein Gesicht unbestreitbar mit dem "Musikantenstadl" verbunden: Karl Moik. Er rief die Unterhaltungsshow 1981 ins Leben.

Doch der Altmoderator denkt heute nicht nur mit Freude an seine Stadlzeit zurück. Der Jubiläumssendung wird er nicht beiwohnen, denn er ist verärgert. "Niemand vom ORF hat sich nach meinem Ausscheiden bei mir gemeldet oder mich in den Stadl eingeladen", beanstandete der 72-Jährige im Jänner bei dem ersten gemeinsamen Auftritt mit seinem Nachfolger Borg. "Ich wurde links liegen gelassen wie ein dreckiges Tuch." Der ORF-Unterhaltungschef Edgar Böhm dementiert das: "Selbstverständlich haben wir ihn eingeladen. Aber Herr Moik hat vom ersten Tag an, als der Vertrag nicht verlängert wurde, jede Zusammenarbeit abgelehnt."

180 Sendungen

Ob mit Karl Moik oder Andy Borg, der "Musikantenstadl" ist immer ein Quotenkönig im TV-Programm gewesen. Über 180 Sendungen sind in den 30 Jahren über den Bildschirm geflimmert. Die Fans reisten der Show auch ins Ausland hinterher, um bei einer Aufzeichnung dabei zu sein - nach Moskau, Dubai, Melbourne und sogar Peking. Höhepunkte waren die Episode in Cottbus, in der ehemaligen DDR, im Jahr 1989 unmittelbar nach dem Fall der Mauer, die Begegnung mit Nelson Mandela in Kapstadt oder der Stadl in der Disney World Florida, als Moik zwischen den Mickeymäusen moderierte.

"Diese 30 Jahre 'Musikantenstadl' verdanken wir einem Mann, der damals gegen viele Widerstände zum ersten Mal Volksmusik ins Fernsehen gebracht hat: Karl Moik", sang Borg kürzlich ein Loblied auf seinen Vorgänger. Moik hatte 1981 die Idee, eine volkstümliche Unterhaltungssendung "mit den Superstars und ohne den sogenannten Bierzeltmief" machen, erzählte der 72-Jährige dem Bayerischen Rundfunk. Am 5. März 1981 ging der Stadl dann erstmals aus dem oberösterreichischen Enns auf Sendung, in den 80er Jahren lockte er allein mehr als drei Millionen Österreicher vor die Fernsehschirme.

"Die Sendung verspricht Sicherheit"

Auch heute noch sei der "Musikantenstadl" ein "Anker in der vielfältig gewordenen Fernsehwelt", begründet Böhm den Erfolg der Sendung. "Die Sendung verspricht Sicherheit, man weiß wofür sie steht. Andy Borg und die Interpreten vermitteln gute Laune", so der ORF-Unterhaltungschef. "Es ist eine schöne, heile Welt, die wir präsentieren. In die lassen sich die Leute gerne hineinfallen und das ist die Aufgabe einer solchen Unterhaltungsshow."

Die heile Welt des Musikantenstadls erlitt aber auch ein paar Kratzer, etwa als Moik in einer Sendung 2004 die Italiener als "Spaghetti-Fresser" bezeichnete und dafür heftige Kritik erntete. Im Herbst desselben Jahres fanden Reporter des RTL-Magazins "Explosiv" angeblich Spuren von Kokain auf der Künstlertoilette. Im Jahr 2005 verließ Moik seine Show schließlich, und zwar nicht ganz freiwillig. ARD und ORF hatten ihn zu einem Rücktritt bewogen, auch weil die Quoten zurückgegangen waren. Mit der Übernahme von Andy Borg änderte sich auch so manches Detail. "Wastl", das Rauhaardackel-Maskottchen Moiks, ist etwa nicht mehr dabei, dafür sorgen die beiden schrillen Witwen "Waltraud und Mariechen" jetzt für Lacheinlagen.

"Seit Andy Borg das übernommen hat, läuft es wieder frischer und besser. Wir haben jedes Mal einen Marktanteil von 30 Prozent", ist Böhm mit den Quoten zufrieden. "Es ist eine unverzichtbare Volksmusiksendung geblieben, aber man muss auch so eine Sendung immer wieder neu aufstellen." Bei der Jubiläumssendung soll Moiks Verdiensten in Form eines Rückblicks auch Rechnung getragen werden. "Moiks Leistung ist unbestritten", so Böhm. "Seine Wichtigkeit, und alles was er zum 'Musikantenstadl' beigetragen hat, zeigen wir am Samstag." Für einen Abend voll Gemütlichkeit und Harmonie ist also alles bereit, und wenn Andy Borg wieder die Stadlzeit ausruft, kann die Welt für ein paar Stunden heil bleiben. (APA)

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    Karl Moik (rechts) und Andy Borg, sein Nachfolger.

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