Staatspreis für Europäische Literatur an Javier Marias

9. März 2011, 21:33
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Ernst-Jandl-Preis für Lyrik an Peter Waterhouse

Wien - Der spanische Autor Javier Marias erhält den mit 25.000 Euro dotierten Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur 2011. Für "ein erzählerisches Werk von wahrhaft europäischer Dimension", so der Juryentscheid, wird der Romancier, Erzähler, Essayist und Übersetzer am 30. Juli in Salzburg durch Kulturministerin Schmied ausgezeichnet.

Und der Ernst-Jandl-Preis für Lyrik des Jahres 2011 geht an Peter Waterhouse,  gab Schmied am Mittwoch ebenfalls bekannt. Der 54-jährige Waterhouse wird die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung bei den Ernst-Jandl-Lyriktagen am 18. Juni in Neuberg an der Mürz erhalten.

Marais' Bücher "auf europäisch geschrieben"

Für Schmied ist Marias "ein geradezu idealer Preisträger". Marias sei "ein Schriftsteller, der aus dem Zentrum der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts heraus erzählt und dessen Bücher 'auf europäisch geschrieben' sind, so die Ministerin. Die Jury befand, dass sich in Marias' Werken, "die Reflexion über die abgründige Menschennatur mit dem Nachdenken über Moral, Geschichte und Politik verbindet. Seine hybriden Roman-Gebilde sind zugleich metaphysische Epen und moralische Tiefenbohrungen".

Javier Marias wurde 1951 in Madrid geboren und verbrachte seine Kindheit zeitweise in den USA. Er studierte Literaturwissenschaft und Philosophie an der Universität Comlutense Madrid (1968 - 1973), an der er heute auch unterrichtet. Sein erstes Geld verdiente er mit Übersetzungen und Kurzauftritten in Filmen, danach arbeitete er für das Verlagshaus Alfaguara. Seit 1983 lehrt Marias spanische Literatur und Übersetzung, etwa in Oxford und Boston. Zu seinen wichtigsten Romanen zählen "Corazon tan blanco", ("Mein Herz so weiß") aus 1992, "Manana en la batalla piensa en mi"("Morgen in der Schlacht denk an mich") aus 1994, und die Trilogie "Tu rostro manana" ("Dein Gesicht morgen"), die zwischen 2002 und 2007 erschien.

Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur wird seit 1965 für ein literarisches Gesamtwerk verliehen, das in deutscher Übersetzung vorliegt. Zuletzt ging er an Jorge Semprun (2006), A.L. Kennedy (2007), Agota Kristof (2008), Per Olov Enquist (2009) und Paul Nizon (2010).

Waterhouse's "poetische Weltsicht"

"Das literarische Schaffen von Peter Waterhouse ist vielseitig und vielgestaltig: Er schreibt Gedichte und Erzählungen, er hat mit '(Krieg und Welt)' eine umfangreiche und vielbeachtete Prosa vorgelegt, Essays verfasst und Texte für die Bühne geschrieben, und er ist erfolgreich als Übersetzer aus dem Englischen und Italienischen tätig", so Schmied. "Kern all dieser Arbeiten ist aber die Dichtung und die poetische Weltsicht von Peter Waterhouse, die er Text um Text aufs Neue entwickelt."

Peter Waterhouse wurde in Berlin als Sohn eines Engländers und einer Österreicherin geboren, wuchs zweisprachig auf und absolvierte seine Schulzeit in Niedersachsen. Er studierte Germanistik und Anglistik an der Universität Wien sowie 1981/82 an der University of Southern California in Los Angeles. 1984 promovierte er an der Universität Wien mit einer Arbeit über die Utopie in der Lyrik Paul Celans zum Doktor der Philosophie.

Der 54-Jährige verfasst Lyrik, Essays, Erzählungen, Theaterstücke, Sachbücher und Romane. Zuletzt erschien seine Erzählung "Der Honigverkäufer im Palastgarten und das Auditorium Maximum". Der Ernst-Jandl-Preis für Lyrik wurde zum Gedenken an den am 9. Juni 2000 verstorbenen Autor und Dichter Ernst Jandl initiiert und wird im Zwei-Jahres-Rhythmus für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der deutschsprachigen Lyrik vergeben. (APA)

  • Jandl-Preisträger Peter Waterhouse
    foto: naomi waterhouse

    Jandl-Preisträger Peter Waterhouse

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