Krieg verlagert sich in die Ölgebiete

4. März 2011, 23:09
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Muammar al-Gaddafi gibt sich nicht geschlagen und versucht, bereits befreite Städte von den Rebellen zurückzuerobern

Diese appellieren an ausländische Militärmächte, eine Flugverbotszone zu errichten.

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Weder Gaddafi noch die libyschen Rebellen geben sich geschlagen. In mehreren Städten in Libyen wurde am Freitag weiter gekämpft, die Nachrichtenlage war jedoch unvollständig und unklar. So gingen Angaben über Opferzahlen in der umkämpften Stadt Zawiya stark auseinander. Unter den bis zu fünfzig Toten soll auch der lokale Anführer der Rebellen sein. Das libysche Staatsfernsehen meldete, Truppen von Machthaber Gaddafi hätten die Stadt zurückerobert.

In der Hauptstadt Tripolis, die weiter unter Kontrolle Gaddafis war, setzte das Regime im Stadtteil Tajura Tränengas ein, um Demonstrationen nach dem Freitagsgebet aufzulösen. Schüsse waren zu hören. Dutzende vom Regime eingeladene Journalisten wurden in ihrem Hotel festgehalten, als sie auf die Straße gehen wollten.

Im Osten des Landes eroberten Rebellen in schweren Kämpfen offenbar die Ölhafenstadt Ras Lanud. Die von ihnen gehaltene Ölstadt Brega wurde erneut von Gaddafis Truppen mit Panzern und Hubschraubern angegriffen. Im benachbarten Ajdabiya soll aus der Luft ein Munitionsdepot und ein Versammlungsort Aufständischer bombardiert worden sein. 18 Menschen seien dabei getötet worden. Eine Ölanlage in Sueitina südlich von Bengasi stand in Flammen.

Der Chef des Nationalrats der Rebellen, Mustafa Abdel-Jalil, schwor Demonstranten in Al-Baida darauf ein, bis zum "Sieg oder Tod" zu kämpfen. Die Rebellen appellierten erneut an ausländische Militärmächte, eine Flugverbotszone über Libyen durchzusetzen. Ein Vermittlungsvorschlag, den Venezuelas Präsident Hugo Chávez gemacht hatte, fand auf beiden Seiten wenig Beachtung. Libyen brauche keine Hilfe von außerhalb, um seine Probleme zu lösen, sagte Gaddafis Sohn Saif al-Islam. Chávez hatte zuvor behauptet, Muammar al-Gaddafi sei an der Entsendung einer Uno-Mission nach Libyen interessiert.

Tripolis hat Regierungskreisen zufolge einen neuen UN-Botschafter ernannt. Der ehemalige Außenminister Ali Treki löse den bisherigen Amtsinhaber ab, der sich von Gaddafi losgesagt hatte.

Die niederländische Regierung bemühte sich weiter vergeblich um die Freilassung dreier Soldaten, die am Sonntag bei einer Rettungsaktion für europäische Zivilisten in die Gewalt Gaddafi-treuer Milizen geraten waren.

Die Durchsetzung der Sanktionen läuft an: Interpol hat eine Warnung vor der Familie Gaddafi und ihren Gefolgsleuten ausgesprochen. Ein Schiff mit in Großbritannien gedruckten libyschen Banknoten im Wert von 119 Millionen Euro wurde gestoppt. Italiens Außenminister Franco Frattini rief die EU zu einem "Pakt für Nordafrika" auf, zu dem Rom eine Milliarde Euro beitragen will. Italien startete Freitag eine Hilfsaktion für Flüchtlinge. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 5.3.2011)

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    Einer der in der Schlacht um Brega getöteten Rebellen wird zu Grabe getragen. Am Freitag griff die Regierungsarmee die Ölstadt erneut an.

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