Schachner löst Zellhofer ab

1. März 2011, 17:48
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Neuer Trainer soll Linzer vor dem Abstieg retten: "Ein Wunderwuzi bin ich aber auch nicht"

Linz - Linz/Wien - Es ist ja nicht so, dass man sich beim Tabellenletzten LASK keine Gedanken macht, aber möglicherweise wird in Linz sogar zu viel nachgedacht. Am Dienstag wurde jedenfalls Trainer Georg Zellhofer gestanzt. Präsident Peter-Michael Reichel war zum Entschluss gelangt, "dass eine gewisse Aussichtslosigkeit da ist". Ersatz war rasch gefunden, Walter Schachner unterzeichnete einen Vertrag für eineinhalb Jahre. Erfüllt er ihn, wäre das wider den Trend, ja fast ein Wunder. Seit der Übernahme durch Reichel im Jahr 2000 gab es 17 Trainerwechsel, Schachner ist seit dem freiwilligen Abgang von Karl Daxbacher im Juni 2008 zur Wiener Austria bereits der siebente Cheftrainer.

Der direkte Vorgänger Zellhofer schaffte in acht Partien zwei Punkte. Reichel, der den LASK einst vor der Insolvenz bewahrt hatte, fällt dazu Folgendes ein: "Schlechter geht es nicht. Zellhofer hat zuletzt hilflos agiert, auch die Außendarstellung war schlecht, er sandte nur negative Botschaften aus." Zellhofer hatte in der laufenden Meisterschaft den ebenfalls hilflosen Helmut Kraft ersetzt.

Erstligist Admira hat sich im April 2010 von Schachner getrennt, mit Dietmar Kühbauer ist man souveräner Spitzenreiter, aber das hat mit dem LASK nur am Rande zu tun. Der 54-jährige Schachner hat am Dienstag bereits das Training geleitet, am Mittwoch debütiert er gegen Wiener Neustadt. "Wir müssen alle an den Klassenerhalt glauben, ein Wunderwuzzi bin ich natürlich nicht. Aber der LASK ist ein Klub, bei dem man etwas bewegen kann. Er ist besser, als er in der Tabelle da steht." Und Reichel hat plötzlich "ein gutes Gefühl. Wir schauen nach vorne, Schachner kann Schwung reinbringen."

Fakt ist, dass es dem LASK an Qualität fehlt, die Transferpolitik ein einziges Desaster war und ist. Reichel streitet das nicht ab und sagt dem Standard: "Es wurden die Wünsche der Trainer meist erfüllt." Das große Problem sei die Selbstlüge. "Wir haben nicht die Mittel zur Verfügung, um konkurrenzfähig zu sein. Und trotzdem sollen wir Graz und Wien ärgern." Der LASK budgetiert mit sechs Millionen Euro, Sturm hat das Doppelte zur Verfügung, Rapid und die Austria haben zumindest das Dreifache. Von Red Bull Salzburg ganz zu schweigen. Reichel: "Schauen wir unser Stadion an. Wir leben auf einer Art Baustelle, das Umfeld ist negativ." Im Sommer ist auch der Hauptsponsor abgesprungen, die Energie AG Oberösterreich. ÖFB-Präsident Leo Windtner ist bei diesem Unternehmen Vorstandsvorsitzender. Reichel. "Es fehlen mehr als 500.000 Euro. Anderseits regt sich Windtner auf, dass der LASK angeblich kaputt geht."

Wobei Reichel erstens nicht aufgibt und zweitens auf den schlimmsten Fall vorbereitet ist. "Sollten wir absteigen, steigen wir eben wieder auf. Wir müssen uns als Ausbildungsverein etablieren." Einige Dinge seien natürlich schief gelaufen, etwa die Einbindung von Toni Polster als Amateur-Trainer. "Ich dachte, es melden sich durch diese Maßnahme Sponsoren." Polster ist natürlich auch schon LASK-Geschichte. (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 3.2. 2011)

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    Der neue LASK-Trainer Walter Schachner und Präsident Peter-Michael Reichel.

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