Integration weit unter EU-Schnitt

28. Februar 2011, 17:55
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Studie zeigt Unterschiede: Migranten haben es in Österreich schwer

Brüssel/Wien - Geht es um die Integration von Migranten, ist Österreich ein Musterland - für fehlende politische Rahmenbedingungen. Das geht zumindest aus dem "Migrant Integration Policy Index" (Mipex) hervor, einer Studie von 25 Nichtregierungsorganisationen unter Führung des staatsnahen British Councils, die am Montag in Brüssel präsentiert worden ist. Unter 31 untersuchten Ländern kommt Österreich dabei auf den 24. Platz und liegt weit unter dem EU-Schnitt.

Bei dem alle zwei Jahre erscheinende Mipex wird anhand von 148 politischen Indikatoren eine Punkteliste für die Teilnehmer erstellt. Bei der aktuellen Untersuchung sind das die 27 EU-Mitglieder, Norwegen, die Schweiz, die USA und Kanada. Analysiert werden beispielsweise die Situation bei der Familienzusammenführung von Drittstaatangehörigen, der Antidiskriminierung oder den Regelungen zur Erlangung der Staatsbürgerschaft.

Gesamtleader Schweden

An der Spitze der Gesamtwertung liegt Schweden vor Portugal und Kanada. Österreich liegt mit 50 Prozent weniger Punkten als der Spitzenreiter auf Platz 24. Doch auch im Vergleich mit dem Durchschnitt der EU-27 sieht es nicht gut aus: Um 20 Prozent liegt Österreich hier zurück.

In den oben angeführten Untergruppen sieht es teilweise noch schlechter aus. Zur Illustration: Bei der Familienzusammenführung kommt Gesamtleader Schweden auf 84 Punkte, Österreich erreichte mit 41 weniger als die Hälfte.

Noch deutlicher wird die Angelegenheit beim Zugang zur Staatsbürgerschaft. Schweden sammelte hier 79 Punkte. Für Österreich liegt dieser Wert bei 22. Mit einem hohen Anteil an Bevölkerung mit Migrationshintergrund (also Drittstaatangehöriger und Migranten erster oder zweiter Generation) scheint dies nur wenig zusammenzuhängen.

Migrantenanteil zweitrangig

Denn laut Statistik Austria haben in Österreich 18 Prozent der Bevölkerung Migrationshintergrund. In Deutschland sind es 19 Prozent. Dennoch liegt der Nachbarstaat in allen Belangen vorne. Beim Zugang zur Staatsangehörigkeit lautet das Ergebnis 59 zu 22. Einzig im Bereich der Antidiskriminierung ähneln sich beide -und liegen klar unter dem EU-Schnitt.

Vergleichbar ist Österreichs Ergebnis allerdings mit der Schweiz: Die liegt nur einen Platz besser. Die Staatsbürgerschaft erlangen ausländische Staatsbürger dort zwar auch deutlich leichter als in Österreich - was sich auch in der Bevölkerung mit Migrationshintergrund widerspiegelt. 31 Prozent sind es laut dem Schweizerischen Statistikamt. Bei den Antidiskriminierungsmaßnahmen sind die alpinen Nachbarn allerdings deutlich schlechter gereiht.

Im heimischen Innenministerium wollte man trotz mehrmaliger Nachfrage bis Redaktionsschluss zu den Ergebnissen der Untersuchung keine Stellungnahme abgeben. (Michael Möseneder, DER STANDARD-Printausgabe, 1.3.2011)

  • Grafik: Integration im Vergleich

    Grafik: Integration im Vergleich

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