Studienplatzfinanzierung für Rektoren keine "Wunderwaffe"

28. Februar 2011, 17:22
6 Postings

Karl: "Wenn alles transparent ist, ist es leichter, mehr Geld einzufordern" - Androsch: "Das Problem ist: Aus Heu wird nicht Gold"

Wien - Keine "Wunderwaffe" ist für die Rektoren die Einführung einer Studienplatzfinanzierung an den Universitäten. Genau so wie Geld den Charakter nicht verderbe, sondern ihn nur an die Oberfläche bringe, gilt für den Chef der Universitätenkonferenz (uniko), Hans Sünkel: "Studienplatzfinanzierung löst die Finanzprobleme der Unis nicht, sondern bringt den Mangel nur an die Oberfläche", so Sünkel am Montag Nachmittag bei einer Tagung an der Uni Wien.

Grob gesprochen werden bei einer Studienplatzfinanzierung so genannte Normkosten pro Studienplatz definiert - diese stellt die öffentliche Hand für bestimmte Leistungen zur Verfügung. Sie sind je nach Fächergruppen verschieden: Sozial-, Geistes- und Wirtschaftswissenschaften sind etwa niedriger dotiert, betreuungsintensive Fächer wie Medizin oder Kunst am höchsten.

Der Rektor der Universität Wien, Georg Winckler, beklagte die momentane Vorgehensweise bei der Uni-Finanzierung: "Man verweist von Seiten des Ministeriums immer darauf: 'Ihr bekommt eh ein paar Prozent mehr, also seid zufrieden.'" Dabei werde aber unter den Tisch gekehrt, dass die Zahl der Studenten in den vergangenen Jahren um 25 bis 30 Prozent gestiegen sei, das Budget aber um höchstens 20 Prozent - rechne man die Inflation dazu, bleibe ein Budgetplus von vier bis fünf Prozent.

"Schritt zum ergebnisorientierten Denken"

Das Gute an einer Studienplatzfinanzierung sei nun immerhin, dass die "Budgetlogik" auf die richtigen Beine gestellt werde, so Winckler. Zunächst werde definiert, welche Kompetenzen ein Student aufweisen müsse und welche Ziele das Studium habe und anschließend daraus die Normkosten errechnet. "Dann kann man argumentieren, das ist die Normkostenvorstellung und wir können sagen, wie viel ein Studienplatz kostet." Für Winckler ist eine Platzfinanzierung daher primär ein "Schritt zum ergebnisorientierten Denken". Eines erspare man sicher aber nicht - nämlich eine politische Diskussion darüber, was die Unis wert seien. Allein das Defizit der ÖBB sei zwei- bis dreimal so hoch wie das gesamte Budget, erinnerte er.

"Unis brauchen mehr Geld"

Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) sieht die Studienplatzfinanzierung als Argumentationshilfe für ein höheres Uni-Budget: "Wenn alles transparent ist, ist es leichter, mehr Geld einzufordern, und die Unis brauchen mehr Geld." Durch das Modell müsse klar werden, wohin das Geld fließe und welche Leistungen dafür erbracht würden.

Auf den Punkt brachte das Dilemma der Vorsitzende des Forschungsrats, Hannes Androsch. An der Technischen Universität (TU) Wien kämen auf einen Professor 150 Studenten, an der TU München 55 Studenten und an der ETH Zürich 40. "Es gibt kein Modell und kein System, das diese Diskrepanz aufzulösen vermag."

"Aus Heu wird nicht Gold"

Natürlich könne man ein neues Finanzierungsmodell suchen - "aber dann muss man es auch ausreichend dotieren", so Androsch. Grundproblem dabei: "Aus Heu wird nicht Gold." Er hege den Verdacht, dass man nun in Erwartung geburtenschwächerer Jahrgänge bestimmte Sätze für einen Studienplatz festlege und dann damit sogar auf Einsparungen hoffe: "Ich weiß ja, wie die Leute in der Budgetsektion ticken", so der Ex-Finanzminister.

Auch der Technologieexperte Karl-Heinz Leitner (Austrian Institute of Technology/AIT), der für das Wissenschaftsministerium eine Vergleichs-Studie zum Thema Studienplatzfinanzierung erarbeitet hat, betonte, dass dieses Modell die Unterfinanzierung der Unis nicht lösen könne. "Was es kann, ist, den Finanzbedarf besser und objektiver darzustellen und kommunizierbar zu machen." Eine vollständige Kostenwahrheit dürfe man sich dabei nicht erwarten: Nötig sei auch ein Aushandlungsprozess zwischen Politik und Unis - nicht vergessen werden dürfe auch darauf, die Normkosten der Inflation anzupassen. (APA)

Share if you care.