Tiere geben Rat und rappen

25. Februar 2011, 19:18
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Max Nagls Kinderoper "Camilo Chamäleon" beschließt das Festival Netzzeit im Semper Depot - Fragen der Identität verpackt als farbenfrohes Singspiel

Wien - Beim Eintreten findet man sich unvermittelt in einem dreidimensionalen Wimmelbild wieder: Ein riesiges Spinnennetz hängt zwischen den Säulen, auf Hängematte, Schaukel und Baumhaus verharren allerlei merkwürdige Gestalten, während eine Hundertschaft an Kindern den Raum flutet wie einen Abenteuerspielplatz: Ein szenisches Tableau, aus dem sich die Handlung von Max Nagls drittem Musiktheaterwerk Camilo Chamäleon schält. Im Zentrum: Ein Heranwachsender, der fortwährend die Farben wechselt, weil er so sein möchte wie die anderen - und schließlich auf sich selbst zurück geworfen wird.

Die Kinderoper handelt von jugendlicher Identitätssuche (Buch und Idee: Katia Guedes, Libretto: Reinhard Palm) und lebt in einer kurzweiligen Inszenierung (Michael Scheidl) von plastischen musikalischen Charakteren: Findet doch Camilo (ausgezeichnet: Tenor Gernot Heinrich) seine "Ratgeber" u. a. in der arios-expressiv aufsingenden Spinne, in der Tango tanzenden Schlange, einem rappenden Bären-Trio und einer ihre Stimmbänder gehörig strapazierenden Nachtigall (bravourös: Koloratursopran Ulla Pilz). Seine klingende Basis findet das allein in puncto Textverständlichkeit noch optimierbare Singspiel im üppigen, rhtyhmusstrotzenden Orchesterpart. Das Orchester des Musikgymnasiums Wien unter der Leitung von Georg Kugi interpretiert Max Nagls Partitur lustvoll und ambitioniert. Empfohlen ab acht Jahren.  (Andreas Felber, DER STANDARD - Printausgabe, 26./27. Februar 2011)

26./27. 2., Wien, Semperdepot, 01/505 63 56. 17.00

  • Die Spinne (Jolene McCleland) als Lebensratgeberin in "Camilo Camäleon",
 Semper Depot.
    foto: nurith wagner-strauss

    Die Spinne (Jolene McCleland) als Lebensratgeberin in "Camilo Camäleon", Semper Depot.

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