Eine Katze namens St. Veit an der Glan

25. Februar 2011, 17:10
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Wie nenn' ich meinen Kater?

Meine Frau und meine jüngere Tochter waren in London und haben mir ein Exemplar des Fachmagazins Your Cat (Untertitel: Love cats? You'll love this!) mitgebracht. Das war lieb, und das war lehrreich. Erstens wusste ich nicht, dass es in England überhaupt Katzen gibt (ich dachte, dort gibt es nur Füchse und Bluthunde). Zweitens wusste ich nicht, dass es in England die Zeitschrift Your Cat gibt, in der in einer breiten Öffentlichkeit über die Vergabe von Katzennamen diskutiert wird.

Aber: Gut so. Katzenbenennen ist eine delikate Sache. Publizistische Unterstützung kann dabei nicht schaden. Auch ich musste mich schon von Postern dafür rügen lassen, dass wir unserem Kater den bärigen Namen Balu verpasst haben (immerhin, you'll love this: Einen "Bello" haben wir ihm nicht angetan).

Besonders akut ist das Katzenbenennungsproblem natürlich in staatlichen Katzenheimen, wo ein großer Wurf dem nächsten folgt und man mit dem Namenaussuchen kaum mehr nachkommt. Im britischen Cats Protection's National Cat Center, berichtet Your Cat, habe sich man kurzerhand dazu entschlossen, die massenhaft einlangenden Damen und Herren Katzen und Kater nach Grafschaften ("Counties") zu benennen, also etwa Devon, Kent oder Wessex. Ich nehme an, in österreichischen Katzenheimen ist das nicht anders, sodass die dortigen Katzen wie politische Bezirke heißen, St. Johann im Pongau, Eisenstadt-Umgebung, Bruck an der Leitha oder Spittal an der Drau: "Komm her, St. Veit an der Glan, es gibt ein feines Happi!"

Einen weiteren Namen, den Your Cat empfehlen kann, ist "Baker", Bäcker, und zwar für Katzen, die es gerne haben, "den Schoß ihres Besitzers mit den Krallen zu kneten" ("Because he likes kneading his owner's lap with his paws."). Ich kenne diese Bewegung auch von Balu, der es liebt, sich auf meiner Brust ein Nest zu bauen, wenn ich im Bett liege. Sehr schnuckelig!

Als "Kneten" habe ich dieses krallige Getue aber noch nie empfunden. Eher kommt es mir vor wie ein komischer kätzischer Versuch, ein Trampeltier nachzuahmen: trampel, trampel (kratz, kratz), trampel, trampel usf. Daher würde ich Balu, wenn ich ihn je umtaufen sollte, auch niemals "Baker" nennen, sondern ihm einen klassischen Kamelnamen verpassen: "Buckel" vielleicht. Oder was es halt sonst an Trampeltiertypischem gibt. (Christoph Winder, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 26./27. Feburar 2011)

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