Duell mit Kleider Bauer

23. Februar 2011, 17:58
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Unbequemer Gerichtsstreit für Textilketten- Österreich größte Einkaufscenter wachsen

Wien - Der Ausbau des Donauzentrums um mehr als 150 Millionen Euro lohnte sich: Eigentümer Unibail-Rodamco siedelte 70 neue Läden an, die den Umsatz in den ersten drei Monaten nach Eröffnung um rund 50 Prozent nach oben zogen und auch das Geschäft auf der bestehenden Fläche ankurbelten. Die schöne neue Welt von Wiens größtem Einkaufszentrum ist dennoch empfindlich gestört.

Es ist der Gerichtsstreit mit Kleider Bauer, der nun auch für andere Mieter unbequem wird, erfuhr der Standard. Große Textilketten wie C&A, Peek & Cloppenburg und Zara haben dem Vernehmen nach Kündigungsschreiben ausgefasst. Auslöser sind mehr als 30 Jahre al-te Konkurrenzklauseln. Demnach kann Kleider Bauer andere große Textilketten am Einzug hindern - oder hat Anspruch auf Schadenersatz; in der Branche ist von bis zu 10.000 Euro täglich die Rede.

Unibail-Rodamco-Chef Markus Pichler verweist auf laufende Verfahren. Der Auszug anderer Händler sei aber nur Wunschvorstellung Kleider Bauers: Niemand ziehe deswegen aus. Er tue sich im übrigen schwer zu glauben, dass die Umsätze des Betriebs im Donauzentrum leiden sollten, zumal er dort nach eigenen Angaben eine seiner stärksten Filialen betreibe.

Unibail-Rodamco hat 90 Shoppingcenter unter ihrem Dach. Seit 2008 auch Österreichs größtes, die in die Jahre gekommene Shopping City Süd. Sie wird bis 2013 um 100 Millionen Euro modernisiert, sagt Pichler. Es gehe um neues Design, besseren Mietermix und effizientere Verkehrsanbindung.

Generell sei Wien in der Gunst der internationalen Handelskonzerne wieder gestiegen, nachdem sich viele zuvor auf Osteuropa gestürzt hatten. Österreich habe sich in der Krise stabil gezeigt, das mache den Markt für neue Anbieter interessant. Pichler holte im Vorjahr Labels wie Bershka, Desigual und Quiksilver. Bei der zu Abercrombie & Fitch gehörenden Marke Hollister stehe Österreich nach wie vor auf der Expansionsliste.

Die neu geplanten Handelsflächen in Wiens Innenstadt und an den Bahnhöfen verschärften den Wettbewerb. "Irgendwer wird verlieren. Der Kuchen wird nicht größer." Unibail-Rodamco baute den Umsatz im Vorjahr um acht Prozent auf 700 Millionen Euro aus. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.2.2011)

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