Rezept gegen das Minus im Portfolio

23. Februar 2011, 17:15
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Trends, die Verheißung schneller Gewinne, und schon wird das Risiko vergessen. Worauf Anleger achten sollten, damit ihr Geld mehr statt weniger wird

Performance und Wertzuwachs - das sind die Zutaten, die ein gutes Private Banking ausmachen. "Wenn ein Kunde die Bank wechselt, tut er das meist, weil er mit der Performance nicht zufrieden ist", sagt Jürgen Danzmayr, Vorstandsmitglied im Private Banking der Bank Austria.

Um zu vermeiden, dass das Vermögen der Kunden im Laufe der Zeit weniger statt mehr wird, hat Danzmayr acht Grundsätze formuliert, "die zwar simpel sind, sich aber noch immer nicht ganz durchgesetzt haben". Folgende Punkte setzt der Private Banker mit seinem Team um:

  • Antizyklisch handeln: Von Modetrends sollte man sich beim Veranlagen nicht mitreißen lassen, erklärt Danzmayr und gibt im Gespräch mit dem Standard zu, dass das die schwierigste Regel ist. Denn der Mensch habe gelernt, sich wohler zu fühlen, wenn er mit der Masse läuft. Außerdem neige der Mensch dazu, sich von der allgemeinen Stimmungslage beeinflussen zu lassen.

Je positiver die Schlagzeilen, desto euphorischer würden sich Anleger oft zeigen - zu einem solchen Zeitpunkt seien die größten Gewinne meist aber schon verdient worden. So glaubte der Fondsmanager Robert Zuccaro 2006, dass der Boom ewig weitergehen würde. In seinem Buch (Why it's different this time) ging er davon aus, dass der Dow Jones 2008 bei 30. 000 Punkten stehen werde. Die zweite Auflage des Buches erschien kurz vor der Lehman-Pleite. Tatsächlich sackte der Dow Jones 2008 von rund 13000 Punkten im Jänner auf rund 8700 Punkte zum Jahresende ab - ein Minus von mehr als 30 Prozent.

  • There is no free lunch: Mit dieser unter Anlegern bekannten Aussage will Danzmayr darauf hinweisen, dass einem an den Finanzmärkten nichts geschenkt wird. Einem hohen Ertragsversprechen steht auch ein hohes Risiko gegenüber. Dabei könne es sich um ein Bonitätsrisiko handeln, ein Wertschwankungsrisiko, ein Liquiditätsrisiko (rasche Realisierbarkeit) oder eine Kombination daraus.
  • Eine Prognose ist eine Prognose und nicht mehr: An den Börsen muss man auf Extremereignisse vorbereitet sein. Vor Modellen, die auf der konventionellen mathematischen Normalverteilung beruhen, warnt Danzmayr. Die Zukunft könne nicht vorhergesagt werden - auch an der Börse nicht. Der Wirtschaftswissenschafter John Kenneth fasste es so zusammen: "An den Börsen gibt es zwei Arten von Investoren. Die, die nicht wissen, wohin der Markt sich entwickelt. Und jene, die nicht wissen, dass sie nicht wissen, wohin der Markt gehen wird."
  • Aktien bringen langfristig eine höhere Rendite als Anleihen: "Die Frage bei diesem weit verbreiteten Ansatz ist aber, wie lange langfristig ist", sagt Danzmayr. Denn in den vergangenen zehn Jahren (per Ende März 2009) hatten US-Aktien (S&P 500) inflationsbereinigt eine negative Performance von 45 Prozent, während zehnjährige Staatsanleihen inflationsbereinigt einen Ertrag von 39 Prozent brachten, rechnet der Banker vor.
  • Aktien haben auch Substanzwertcharakter: Bestimmte Papiere können Vermögen über Generationen erhalten. Im Zuge der Hyperinflation im Jahr 1923 und auch im Zweiten Weltkrieg wurden Einlagen und Anleihen wertlos. Mit bestimmten Aktien bestand zumindest die Chance, einen Teil seines Vermögens zu erhalten. Aktien sollten daher nicht nur als Spekulationsgut betrachtet werden.
  • Das Eingehen von Einzelrisiken ist mit einem hohen Risiko verbunden: Hält ein Anleger etwa nur Aktien von einem Unternehmen, geht er damit auch ein hohes Risiko ein. Durch das Halten von verschiedenen Aktien bzw. mehreren Produkten (Anleihen, Zertifikate, Fonds etc.) wird das Risiko in einem Portfolio reduziert. Danzmayr: "Glaubt jemand an ein Thema oder will auf ein Unternehmen besonders setzen, sollte er zuerst nur einen kleinen Betrag investieren und bei Bedarf anpassen."
  • Auf die Qualität achten: Damit spricht der Bank-Austria-Experte das Thema Bonität an. Auch Anleihen haben - während der Laufzeit - ein Kursrisiko. Aber eine Anleihe mit guter Bonität wird am Ende der Laufzeit voll zurückbezahlt. Kauft man also Papiere von Staaten oder Unternehmen, sollte auf die Bonität geachtet werden. Und auch hier gilt: Mehr Ertrag bedeutet meist auch mehr Risiko. Ein im Vergleich zu AAA-Staatsanleihen höherer Ertrag zieht entsprechende Risiken nach sich.
  • Disziplin: Für einen Anleger ist es wichtig, auf Basis seiner individuellen Ziele eine Anlagestrategie festzulegen und diese nachhaltig zu verfolgen. Danzmayr: "Es ist nicht sinnvoll, eine gewählte Strategie Jahr für Jahr aufgrund der Performancezahlen der vergangenen zwölf Monate immer wieder infrage zu stellen oder gar laufend zu ändern. "

Die Stimmung unter Anlegern beschreibt Danzmayr als "noch nicht euphorisch". Die Börsen hätten zuletzt schon viel aufgeholt, ein großer Schub nach oben werde daher vorerst nicht erwartet. Der Aktienanteil sei vor allem bei institutionellen Investoren noch gering. Wenn diese in den Markt zurückkehren, könnte es wieder mehr Dynamik geben, fasst der Private Banker zusammen. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.2.2011)

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    Wo ist mein Geld mag sich manch einer immer noch fragen - oder gleich für die Zukunft die richtigen Grundsätze beherzigen.

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