Auf der Suche nach den verbliebenen 1.000 Euro aus Grassers Sozialfonds

23. Februar 2011, 17:19
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Der Ex-Finanzminister gab zwar boulevardwirksam Spenden weiter, zeigte sich aber selbst nicht sehr spendenfreudig

Im Jahr 2003 sorgte Grasser für Aufregung, weil er mittels "Road Shows" heimischen Wirtschaftstreibenden die "New Economy" im Tupperware-Stil erklärte. Geld habe er für diese Dienstleistung nie angenommen, er habe die jeweiligen Veranstalter immer gebeten, etwas für wohltätige Zwecke zu spenden. Zu diesem Behufe wurde dann auch der "Grasser Sozialfonds" zunächst nur angekündigt und ein halbes Jahr später dann auch präsentiert.

Unter den Spendern befanden sich laut Offenlegung:

Verein zur Förderung der New Economy 10.000

Österreichischer Raiffeisenverband 10.000

Bank Austria Creditanstalt AG 7.500

Manstein Hans-Jörg 7.000

Plech Ernst Karl 5.000

Karl-Heinz Grasser 1.000

58 weitere Spender mit Beträgen zwischen 5 und 100 Euro.

Kein Bussi trotz Spende

Die Ausschüttung der Spenden wurde vom Boulevard Grasser-wirksam begleitet. Die "Kronen Zeitung" war etwa rein zufällig dabei, als Grasser einer durch den Bergtod des Vaters in Probleme geratenen Familie 10.000 Euro überreichte. "Mit einer Barbie-Puppe eroberte Karl-Heinz Grasser das Herz der Sechsjährigen im Sturm. Auch wenn sie dem Minister kein Bussi geben wollte, so entstand eine Freundschaft", so das Kleinformat über die großherzige Tat.

Trotz dieser Erfolge ging dem Sozialfonds bald das Geld aus. 2005 wurden noch 12.500 Euro gespendet, 2006 kamen 25.000 Euro, 2007 kam gar nichts mehr. Fondsverwalter Christian Mayer gab 2007 im profil an, dass der Fonds "in den letzten Zügen" liege und nur mehr über 1.000 Euro (= die Summe, die Grasser eingezahlt hatte) verfüge.

"Der Zweck war weg"

derStandard.at hat nun bei Mayer nachgefragt, was aus den 1.000 Euro wurde. Genau erklären kann der ehemalige Verwalter den Verbleib des Geldes nicht. Ein Teil davon sei für die Auflösung des Sozialfonds und diverse Verwaltungsaufgaben verwendet worden und "möglicherweise wurden davon auch laufende Rechnungen von Therapeuten beglichen". Am Schluss gingen noch 20 Euro an das Kinderschutzzentrum "die Möwe". Ob es von Grasser knausrig gewesen sei, weil er selber nur 1.000 Euro in den Fonds eingezahlt hatte, will Mayer ebensowenig kommentieren wie die Frage, ob er noch einmal einen Grasser-Fonds verwalten würde. Die Frage, warum der Sozialfonds dann 2008 endgültig aufgelöst wurde, beantwortet der Jurist knapp mit: "Der Zweck war weg." (rasch, derStandard.at, 23.2.2011)

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    Finanzminister Karl-Heinz Grasser wurde 2003 vom "Management Club" zu einem Vortrag mit dem Titel "Ihre Bilanz bitte" geladen.

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