Mission Tumorzelle

22. Februar 2011, 19:29
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Daniel Schramek interessiert sich für die Entstehung und Vermeidung von Krebs

Wenn ihn etwas interessiert, dann kann er sich auch so richtig in eine Sache verbeißen, sagt Daniel Schramek. Das war schon immer so: Beim Klavierspielen, beim Rudern, beim Studium - er wollte immer so weit gehen, wie er nur konnte. Der Ehrgeiz hat sich ausgezahlt. Mit 29 Jahren kann er bereits auf eine Laufbahn zurückblicken, die mit Auszeichnungen, hochkarätigen Publikationen und viel beachteten Forschungsarbeiten gepflastert ist.

Zuletzt ließ der Molekularbiologe vom Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) mit einer in Nature Genetics veröffentlichten Arbeit aufhorchen: Er und seine Kollegen aus der Gruppe von IMBA-Leiter Josef Penninger beschrieben darin die bisher unbekannte "Wachhund"-Funktion des Enzyms MKK7. Es erkennt, wenn eine Zelle zur Tumorzelle zu werden droht und schützt damit vor Lungen- und Brustkrebs.

Erst im vergangenen September war seine Dissertation Basis für eine Nature-Publikation, in der bewiesen wurde, dass Hormonpräparate mit synthetischen Sexualhormonen zu Knochenabbau und in der Folge zur Entstehung von Brustkrebs führen können.

"Als Wissenschafter braucht man extremes Sitzfleisch", sagt Schramek. "90 Prozent der Experimente funktionieren nicht, und bei den restlichen zehn Prozent ist auch nur die Hälfte brauchbar." Immer wieder waren Schramek und seine Kollegen am Rand der vollkommenen Verzweiflung, wie der gebürtige Wiener erzählt: "Bei MKK7 habe ich zuerst geglaubt, dass wir die Ergebnisse der Kontrolltiere mit denen der experimentellen Mäuse verwechselt hatten. Wir haben das Experiment wiederholt, bis wir gesehen haben: Es ist wirklich so!"

Schon als Kind beschäftigte ihn weniger, wie man eine Krankheit heilt, sondern wie sie entsteht und woher man weiß, wie Medikamente wirken, erzählt der Sohn eines Ärztepaars. Die katholische Privatschule, die Schramek besuchte, brachte ihn denn auch weniger auf den religiösen, dafür aber mittels eines engagierten Chemie- und Biologielehrers auf den wissenschaftlichen Weg, der im Studium der Molekularbiologie an der Uni Wien mündete. Dank eines Stipendiums verbrachte er zwei Jahre in Sydney, wo er erste wissenschaftliche Laborarbeiten im Krebsforschungsprogramm des Garvan Institute of Medical Research mit Surfen und Segeln verbinden konnte.

Der Tumor ist für Schramek ein spannendes Forschungsgebiet, weil man mit medizinisch relevanten Ergebnissen "etwas bewegen" kann, aber auch, weil der Tumor ein "philosophisch interessanter Organismus ist, da er eine Art Anti-Darwinismus repräsentiert, wo sich innerhalb des Körpers die böseste Zelle durchsetzt". Sein Spezialgebiet ist dabei die Signalweitergabe, also wie etwa ein Hormon am Rezeptor einer Zellmembran andockt und dann seine Info an den Zellkern und die DNA weitergibt.

Der Zufall brachte Schramek in Australien mit Josef Penninger zusammen - und "es hat gleich gefunkt". 2006 wechselte er in dessen Arbeitsgruppe am IMBA. Dort erforscht der Postdoc aktuell, wie Blutgefäße einen Tumor ernähren und wie man ihn aushungern kann. Im Mai geht es dann an die renommierte Rockefeller University in New York. Seine Mission: anhand von Hautkrebs jene Gene zu finden, die die Achillesferse der Tumorzelle bilden. Könnte man diese Gene ausschalten, wäre es im Gegensatz zur heutigen Chemotherapie möglich, nur die Tumor-, aber nicht die gesunden Hautzellen abzutöten. "Wissenschafter sein ist intensiv, ein harter Job und gleichzeitig eine Leidenschaft", sagt Schramek, "aber es bleibt auch Zeit für Partys. New York wird eine Fetzengaudi!" (Karin Krichmayr/DER STANDARD, Printausgabe, 23.02.2011)

  • Will medizinisch etwas bewegen: Daniel Schramek.
    foto: imba

    Will medizinisch etwas bewegen: Daniel Schramek.

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