G-20 sucht Gradmesser für eine neue Balance

18. Februar 2011, 18:50
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Französische Pläne stoßen auf massive Widerstände - Ringen um Indikatoren

Kann man die Weltwirtschaft überhaupt lenken? Diese Frage steht im Hintergrund des G-20-Finanzministertreffens von Freitag und Samstag in Paris. Die dirigistischen Franzosen sind als Gastgeber überzeugt von der Notwendigkeit. Präsident Nicolas Sarkozy hat sich zum Ziel gesetzt, insbesondere bis Ende des Jahres das Problem der Wechselkurse und der Rohstoffpreise in den Griff zu kriegen. Ohne Lösungen drohen neue Weltwirtschafskrisen und Hungerrevolten wie in Nordafrika, meinte er kürzlich.

Geht es allerdings um konkrete und verbindliche Maßnahmen, blocken die meisten G-20-Mitglieder. Ein "neues Bretton Woods" mit einem mehr oder weniger fixen Wechselkurssystem, das Sarkozy noch letztes Jahr ausdrücklich angestrebt hatte, steht nicht mehr zur Diskussion. Als Ausweg schlug die französische Wirtschaftsministerin dann "Bandbreiten" vor, innerhalb derer sich die Wechselkurse zu bewegen hätten. Dafür waren aber auch die deutschen Partner Frankreichs nicht zu gewinnen.

Nun nimmt der französische Vorsitz eine andere, weniger verbindliche Idee auf - die der Indikatoren. Fünf solche Gradmesser sollen die Leistungsbilanzen, die realen Wechselkurse, die Staatsschulden, die private Sparquoten und die Währungsreserven der einzelnen Länder messen. Messen heißt aber vergleichen - und das geht wichtigen G-20-Mitgliedern bereits zu weit. Aus jeweils unterschiedlichen Gründen wollen sich die Amerikaner und die Schwellenländer nicht auf solche Indikatoren festlegen.

Chinas Finanzminister Xie Xuren sprach sich prompt gegen die Berücksichtigung von Währungsverhältnissen und -reserven aus. Auch die geplante Formulierung in der Erklärung, "globale Ungleichgewichte" zu bekämpfen, ging Peking zu weit. Das auf sei- ne Exportüberschüsse bedachte Deutschland wiederum will nur ein Bündel an Indikatoren akzeptieren. Konkrete Vorgaben lehnt Berlin ab. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.2.2011)

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