Königreich ist eine zentrale Basis für die US-Navy

18. Februar 2011, 18:41
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Für USA diplomatischer Spagat wie in Ägypten - Kommando für zwei Flugzeugträger

Wieder einmal muss sie zurückrudern, die amerikanische Außenministerin, die von jeder Wendung im Mittleren Osten auf dem falschen Fuß erwischt zu werden scheint.

Es ist erst zehn Wochen her, da fand sie nur lobende, blumig klingende Worte für den Zwergstaat Bahrain. Dessen Regierung sei fest entschlossen, auf dem Pfad der Demokratie voranzuschreiten. "Ich bin beeindruckt", sagte Hillary Clinton, die gekommen war, um zu reparieren, was die Wikileaks-Depeschenaffäre an Schaden angerichtet hatte. Heute klingt sie eher wie eine Schiedsrichterin. Sie mahnt Reformen an, warnt vor dem Einsatz bewaffneter Gewalt, gibt tiefer Sorge Ausdruck. "Es hat Reformschritte gegeben, von denen wir wollen, dass sie verstärkt werden. Und Bahrain ist ein Freund und Verbündeter."

Es ist die Sprache diplomatischer Verlegenheit. Wie schon in Ägypten bekam das State Department nicht rechtzeitig mit, was sich am Golf an inneren Spannungen anstaute. Es folgte eine langsame Anpassung an die Realität, aber man merkte, wie schwer es der US-Außenpolitik fiel, dem alten Freund in Kairo Ade zu sagen.

Anders verhielt es sich mit Iran. Sobald dort Protestierende ihrem Unmut Luft machten, sprach Clinton vom "Mut des iranischen Volkes" und der "Heuchelei des Regimes" , ganz ohne rhetorische Verrenkungen. Nun Bahrain, und da erinnern die Reaktionen eher an den ägyptischen Spagat. Einerseits will Washington Demokratiebewegungen unterstützen, andererseits sieht es handfeste strategische Interessen bedroht.

Am Rande Manamas unterhalten die USA eine Befehlszentrale mit dem Kürzel Navcent, das Hauptquartier ihrer Fünften Flotte. 3000 Militärs sind dort stationiert. Dem Kommando unterstehen 30 Kriegsschiffe mit 30.000 Matrosen, die im Persischen Golf, im Arabischen und im Roten Meer Patrouille fahren, vor allem, um die Routen der Öl-Supertanker zu schützen. Die Präsenz geht zurück auf das Ende des Zweiten Weltkriegs, als die US-Flotte begann, die Insel zu nutzen. 1971, nachdem sich die Briten zurückgezogen hatten, übernahm sie den Stützpunkt der Royal Navy. Eine Schlüsselrolle spielte Bahrain im Golfkrieg 1991 und noch markanter im Irakkrieg 2003, als gleich fünf Flugzeugträger in der Region kreuzten. Heute sind es zwei, die von Navcent gesteuert werden: "Carl Vinson" und "Enterprise". (Frank Herrmann aus Washington/DER STANDARD, Printausgabe, 19.2.2011)

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    Wo ist die Revolution? Ein US-Marinesoldat beobachtet die Lage in Bahrain.

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