Soldaten schießen auf Demonstranten

18. Februar 2011, 17:06
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Oppositionelle wollten Perlen-Platz in Manama besetzen - Tausende bei Beerdigung von Polizeiopfern

Manama - In Bahrain haben Soldaten einem ehemaligen Parlamentsabgeordneten zufolge das Feuer auf regierungsfeindliche Demonstranten eröffnet. Viele seien verletzt worden, einige davon schwer, sagte Dschalal Firus von der oppositionellen Wefak-Partei am Freitag. Die Demonstranten hätten versucht, auf den Perlen-Platz zu gelangen. Eine Stellungnahme der Polizei gab es zunächst nicht. Der schiitische Politiker hatte am Donnerstag sein Mandat niedergelegt.

Die Polizei hatte am Vortag auf dem Platz ein Zeltlager der Opposition geräumt. Dabei wurden vier Menschen getötet und 231 verletzt. Später übernahmen Soldaten mit Panzern die Kontrolle des Verkehrsknotenpunkts. Viele der überwiegend schiitischen Demonstranten hatten geplant, dort nach dem Muster der Proteste auf dem Tahrir-Platz in der ägyptischen Hauptstadt Kairo, ein Hauptquartier aufzubauen.

Trauerfeier für Demonstranten

Tausende Menschen haben am Freitag an der Beisetzung von zwei bei den Oppositionsprotesten getöteten Demonstranten teilgenommen. Der Trauerzug in der Hauptstadt Manama folgte zwei Autos mit den aufgebahrten Leichen eines 53-jährigen und eines 23-jährigen Schiiten. Die Toten waren in Nationalflaggen gehüllt. Unter Rufen wie "Sunniten und Schiiten sind Brüder!" und Appellen an die "nationale Einheit" zogen die Trauernden im Osten der Hauptstadt in Richtung eines schiitischen Vororts. Auch wurden wieder Rufe gegen die von der sunnitischen Oberschicht gestellte Regierung laut.

In den vergangenen Jahren war es immer wieder zu Unruhen in Bahrain gekommen, wo sich die Schiiten von der pro-westlichen sunnitischen Führungsschicht benachteiligt fühlen. Der Inselstaat - ein Archipel mit einer großen und 32 kleinen Inseln - ist nur 711 Quadratkilometer groß. Von 1861 bis 1971 war Bahrain britisches Protektorat. 1981 nach dem Ausbruch des iranisch-irakischen Krieges hatten Bahrain und die anderen pro-westlichen arabischen Golf-Monarchien - Saudi-Arabien, Kuwait, Oman, Katar und Vereinigte Arabische Emirate (VAE) - den Golfkooperationsrat (GCC) mit dem Ziel gegründet, die Wirtschafts-und Verteidigungspolitik zu koordinieren. Scheich Hamad Bin Issa al-Khalifa bestieg 1999 nach dem Tod seines Vaters Issa den Thron als Emir, wenig später nahm er den Königstitel an.

Der UNO-Unterausschuss für Minderheitenschutz hatte Bahrain wegen "schwerer und systematischer Menschenrechtsverletzungen" heftig kritisiert, insbesondere "Diskriminierung der ansässigen schiitischen Bevölkerung, willkürliche Hinrichtungen und anhaltenden massiven Gebrauch von Folter in Gefängnissen". Auch die Internationale Föderation für Menschenrechte (FIDH) hatte schwere Vorwürfe gegen Bahrain erhoben. (APA/AFP)

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