Tanz der Supermärkte um die Preise

17. Februar 2011, 17:16
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Im Lebensmittelhandel wird heuer einiges teurer. Eine Preishausse wie vor drei Jahren sieht Spar-Chef Drexel nicht

Wien - Die Österreicher müssen im Lebensmittelhandel heuer vereinzelt mit höheren Preisen rechnen, davon sind die Chefs der führenden Supermarktketten überzeugt. Teurere Rohstoffe machten sie aus Sicht der Rewe unumgänglich. Es gebe auch Nachholeffekte der vergangenen Jahre, in denen der Handel etliche Lebensmittel trotz starken Kostendrucks verbilligte.

Bei Rohstoffen wie Getreide et- wa zeigten sich extreme Preisausreißer, die im Einzelhandel schlagend werden könnten. Insgesamt werde das Ausmaß der Erhöhungen aber nicht das Niveau von vor drei Jahren erreichen, sagt Spar-Chef Gerhard Drexel im Gespräch mit dem Standard. Er gehe heuer von moderaten Anpassungen aus, und er schaue Lieferanten auf die Finger, ob ihre Forderungen sachlich gerechtfertigt seien. Letztlich mache der Anteil der Rohstoffkosten oft nur einen Bruchteil der Gesamtkosten aus. Große multinationale Lieferanten nutzten das Umfeld aus seiner Sicht jedoch gerne dazu, um Gewinne aufzufetten.

Dass die Wettbewerbsbehörden derzeit vor allem die Macht der Lebensmittelhändler abklopfen, be- unruhigt Drexel nicht. Das deutsche Kartellamt leitete vor kurzem eine Prüfung ihrer Beschaffungsmärkte ein, neue Untersuchungen sind auch in Österreich nicht ausgeschlossen. Rewe, Spar und Hofer vereinen immerhin gut 83 Prozent des gesamten Marktes.

"Nichts zu verbergen"

"Wir haben hier sicher nichts zu verbergen", sagt Drexel. Der Wettbewerb sei hart, man schenke sich nichts, keiner arbeite mit dem anderen zusammen. Vielmehr wundere er sich, warum niemand über die hohe Konzentration in der Industrie spreche: Anbieter erreichten da in einzelnen Sparten Marktanteile von bis zu 80 Prozent.

Die Kritik mittelständischer regionaler Hersteller an den Gebaren der Handelsriesen prallt bei Spar ab. Die umstrittenen Exklusivitätsklauseln etwa habe es einst bei der Konkurrenz gegeben, sagt Drexel, nicht bei Spar. Rewe bestätigt spezielle Regelungen etwa bei Biomilch: was aber laut einer Sprecherin daran liege, dass man sich bei einzelnen Lieferanten finanziell einbringe und investiere.

Wettlauf um Kinder

Für Drexel ist die Krise gegessen. Die Umsätze der Spar im Lebensmittelhandel stiegen im Vorjahr in Österreich um 4,5 Prozent auf mehr als fünf Milliarden Euro. 2000 neue Jobs entstanden, hundert Filialen wurden modernisiert und erweitert, 450 Millionen Euro investiert, die Hälfte davon im Inland. Ebenso viel ist für heuer geplant. Der Marktanteil der Gruppe legte von 28,5 auf 29,5 Prozent zu.

Rewe kam 2009 inklusive Adeg auf 34,8 Prozent und könne bei Merkur und Billa mit dem Wachstum von Spar mithalten, heißt es.

An neuen Duellen der Erzrivalen mangelt es nicht. Diese erstrecken sich vom Wettlauf ums Tankstellengeschäft über Eigenmarken bis hin zu Tierstickern für Kinder. Von einem regelrechten Sammelfieber spricht Drexel, und davon, dass Billa die Idee der Spar, beschämend für die Marketingabteilung, eins zu eins kopiere. Von wegen, betont man bei Rewe, schon während der Fußball-EM habe es Stickeralben bei Billa gegeben. Sie dienten vor allem der Kundenbindung. Drucken lässt Spar sie in Italien, das Album ist österreichisch.

Die Filialexpansion ist in Österreich für beide ausgereizt. Frische Fronten tun sich bei Tankstellenshops auf, in die beide Konzerne kräftig investieren. 70 Märkte will Drexel bis 2012 starten, um den "Apothekerpreisen der Branche" wie er sagt, entgegenzufahren. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.2.2010)

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    Steigende Rohstoffpreise schlagen auf den Handel durch. Vor allem bei Getreideprodukten zeichnen sich heuer Teuerungen ab. Exakte Prognosen lässt die starke Volatilität der Märkte nicht zu.

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