Head sagt umstrittene Kapitalerhöhung ab

17. Februar 2011, 15:40
5 Postings

Minderheitsaktionäre waren gegen die Kapitalerhöhung Sturm gelaufen

Wien - Der in Wien börsenotierte und in den Niederlanden ansässige Ski- und Sportartikelkonzern Head hat am Donnerstag eine laufende Kapitalerhöhung abgebrochen. "Hauptgrund war, dass es ein relativ großes negatives Feedback unserer Shareholder gegeben hat", sagte Head-Finanzvorstand Günter Hagspiel. "Wir bedauern das". Den Verdacht der Kursmanipulation im Vorfeld der geplanten Kapitalmaßnahme wies er zurück: "Da kann ich nur den Kopf schütteln. Das hat es meines Wissens nicht gegeben."

Head ist zu 55 Prozent im Besitz des internationalen Investors Johan Eliasch. Minderheitsaktionäre waren gegen die Kapitalerhöhung Sturm gelaufen. Sie hätte es Eliasch billig ermöglicht, die Kleinaktionäre über ein späteres Squeeze out aus dem Unternehmen zu drängen und die Börsenotiz zu beenden. Unmittelbar nach Angebotseröffnung vorigen Freitag hat der Investor Rupert-Heinrich Staller die Wiener Börse und die Finanzmarktaufsicht (FMA) in Wien mit einer Sachverhaltsdarstellung konfrontiert, wie er der APA bestätigte. Die Wiener Börse hat ebenfalls "Gesprächsbedarf" mit Head gesehen. Staller hat zuletzt auch die Aufsichtsbehörden in London eingeschaltet.

In der Causa ist zudem die FMA wegen des Verdachts auf Kursmanipulation aktiv. Head wurde außerdem von Investoren aufgefordert, diverse "Giftpillen" offenzulegen. In den Niederlanden schlägt sich der Konzern schon länger mit den Aufsehern herum. Head wurde dort aufgefordert, rückwirkend eine Bilanz zu ändern.

Vernünftige Entscheidung

Staller hat über seine Wiener Investmentgesellschaft "Staller Investment GmbH" "einen größeren Anteil an Head-Aktien", er begrüßte heute ebenso wie Anlegerschützer Wilhelm Rasinger die "vernünftige Entscheidung" des Head-Vorstands, "dieses indiskutable und dem österreichischen Kapitalmarkt unwürdige Angebot einer Kapitalerhöhung zurück zu ziehen. Das war ein Wahnsinn für den Kapitalmarkt." Damit wäre die Börsenotiz zerstört worden. Andere kritische Anleger fürchteten, dass Eliasch Head "ausräumen" könnte.

Im Gefolge der (geplatzten) Emission von nicht weniger als 199,9 Millionen Stück junger nicht notierter Vorzugsaktien zum Ausgabepreis von 5 Cent und einem späteren Umtausch in Stämme im Verhältnis 1:5 wäre mit mehr als 1 Milliarde Stück ein Vielfaches der heutigen Aktienzahl (88,2 Millionen) im Umlauf gewesen. Der Angebotspreis für die strittige Emission bewegte sich hingegen auf einem Bruchteil des Börsekurses vom vorigen Freitag.

Head-Manager Hagspiel bestätigte, dass die gewählte Konstruktion der Kapitalerhöhung aus seiner Sicht die günstigste Form der Finanzierung gewesen wäre. "Dass darum eine Diskussion um die Bewertung entsteht, war nicht unerwartet", sagte er heute. "Aber nicht in dem Ausmaß. Es war nicht geplant, die Anleger hier zu verärgern. Wir bedauern die negative Stimmung." Hagspiel dachte heute laut über "vertrauensbildende Maßnahmen" nach, die er aber nicht weiter erläuterte.

Um den mittelfristigen Finanzierungsbedarf abzudecken - Expansion im Sportswear-Bereich und zwei fällige Anleihen in den nächsten drei Jahren -, werde man sich nach Alternativen zur Beschaffung der geplanten 10 Mio. Euro umsehen. Eine Sonder-Hauptversammlung von Head für Satzungsänderungen im Zuge der jetzt gecancelten Emission (1. April) wurde abgesagt. Am 26. Mai ist die nächste ordentliche HV. Am 24. Februar nennt die Firma die Jahreszahlen für 2010.

Aktie nach Kurssturz erholt

Nach dem Kurssturz vom Mittwoch um 50 Prozent legte die Head-Aktie in Wien heute wieder um 71,4 Prozent auf 36 Cent zu. Damit bewertet die Börse die Firma mit 32 Millionen Euro. Interne Bewertungen sprachen zuletzt von 250 bis 300 Mio. Euro.

Head produziert u.a. in Kennelbach in Vorarlberg. Anders als beim Tiroler Konkurrenten Kneissl - der infolge einer geplatzten Kapitalerhöhung durch Hauptaktionär Scheich Al Jaber vor einer Woche in die Insolvenz schlitterte - laufen die Geschäfte bei Head nach langen Durststrecken heute aber gut. Der Skiteam-Ausstatter hat zuletzt bei der Ski-WM in Garmisch ordentlich Medaillen abgeräumt.(APA)

Share if you care.