Herr Doktor Superstar

16. Februar 2011, 19:15
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Der Plagiatsvorwurf ist ein weiterer massiver Patzer auf Guttenbergs ohnehin nicht mehr so strahlend weißen Weste

Klar, dass sich nicht nur die Opposition in Deutschland vor Lachen auf die akademischen Schenkel klopft. Karl-Theodor zu Guttenberg, deutscher Verteidigungsminister und CSU-Star, soll seine Doktorarbeit in einigen Teilen ganz unnobel abgekupfert haben.

Die Vorwürfe wiegen schwer - grundsätzlich und erst recht für einen, der Tugenden wie Rückgrat, Ehrlich- und Redlichkeit zur persönlichen und politischen Maxime ausgab. Und sich dadurch ein bisschen besser darstellen wollte als die Gewöhnlichen im deutschen Bundeskabinett.

Es wäre unfair und unrichtig, wegen der Plagiat-Affäre bereits endgültig den Stab über Guttenberg zu brechen. Zunächst muss der Fall gründlich untersucht werden.

Doch er ist ein weiterer massiver Patzer auf der ohnehin nicht mehr so strahlend weißen Weste des Barons. Zunächst hatte er Schwierigkeiten, den Luftangriff im afghanischen Kunduz, bei dem viele Zivilisten starben, aufzuklären. Bis heute ist unklar, was er über die Zustände auf dem deutschen Schulschiff Gorch Fock wusste. Seine Heeresreform muss auch erst einmal finanziert werden.

Immer deutlicher wird: Guttenberg ist nicht der strahlende Held, für den ihn viele in der CSU halten wollen. In der Plagiat-Geschichte kann ihm niemand die Verantwortung abnehmen - kein Kapitän, kein Staatssekretär, kein Generalinspekteur. Sie alle hat Guttenberg abberufen, als es eng wurde. Jetzt muss er selbst den Kopf hinhalten. (Birgit Baumann, DER STANDARD-Printausgabe, 17.2.2011)

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