"Mehr Frauen bedeutet weniger Männer"

16. Februar 2011, 07:00
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Beim Festakt zum Geburtstag der ersten Frauenministerin Österreichs wurde erinnernd mit Wörtern gerappt - SPÖ-Frauen und SympathisantInnen huldigten Dohnal

Knapp 300 Gäste haben am Montagabend auf Einladung der SPÖ-Frauen den 72. Geburtstag von Johanna Dohnal im Vorwärts-Haus in Wien bei einem Festakt gewürdigt. Gastgeberin und SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek betonte in einem "Wordrap" mit Susanne Riegler, die als Moderatorin durch den Abend führte, unzählige Errungenschaften der ersten Frauenministerin Österreichs. Neben Heinisch-Hosek wohnten der Feier unter anderem die Nationalratspräsidentin und ehemalige Frauenministerin Barbara Prammer, Infrastrukturministerin und ebenso ehemalige Frauenministerin Doris Bures, Stadträtin Renate Brauner, Landesrätin Verena Dunst, SPÖ-Geschäftsführerin Laura Rudas sowie zahlreiche SPÖ-Frauen bei.

ArbeiterInnen-Lieder wurden als Auftakt vom Femous-Chor im Eingangsbereich des Vorwärts-Hauses, zugleich Bühne der Veranstaltung, zum Besten gegeben. Dieser geschichtsträchtige Ort, so die Frauenministerin, wurde von "Johanna Dohnal bespielt. Sie ist in jedem Stockwerk präsent".

Moderatorin Susanne Riegler wählte als Stilmittel den "Wortrap", warf ihren Gesprächspartnerinnen also Stichworte zu. Antworten erhielt sie dabei etwa von Gabriele Heinisch-Hosek, Susanne Feigl und Barbara Prammer. Im dieStandard.at-Gespräch erklärte Riegler, dass sich "Männer auch ständig die Ehre erweisen, also machen wir das jetzt auch für Dohnal, und zwar werden wir ihr jedes Jahr huldigen". Im Anschluss an den "Wordrap" las die Schauspielerin Andrea Eckert Texte und Vorlesungen von Johanna Dohnal.

"Dunkle Zeit in Österreich"

Die Fristenregelung, die Sexismus-Debatte der 1970er Jahre, Änderungen im Familienrecht, Schlüsselgewalt und Geometrie-Unterricht für Mädchen wurden im Vorwärts-Haus als Errungenschaften von Johanna Dohnal und ihren Zeitgenossinnen hoch gehalten. Dabei erinnerte sich Heinisch-Hosek an die erste Begegnung mit Dohnal: Sie habe ein ganzes Büchlein mit Informationen von Dohnal vollgeschrieben. Zudem hat ihr Dohnal geraten, dass "ich jemanden brauche, der die Zeitungen für mich liest, sonst kriegst du rund um frauenpolitische Diskussionen nicht alles mit", erzählte Heinisch-Hosek. Die strukturellen Bedingungen mit denen sich Dohnal als Politikerin konfrontiert sah, umschrieb die Frauenministerin als "eine dunkle Zeit in Österreich".

"Kreisky war kein Feminist"

Dohnal-Biografin Susanne Feigl schilderte im Gespräch mit Susanne Riegler die Zusammenarbeit von Dohnal mit Bruno Kreisky, dem damaligen Bundeskanzler. Feigl führte aus, dass sich Kreisky von Dohnal stets frauenpolitische Belange erklären ließ und dabei stets zu ihr sagte: "Wenn du das sagst, wird es schon stimmen. Kreisky war bestimmt kein Feminist, aber er vertraute Dohnal sehr". Auch für Johanna Dohnal war die Beziehung zu Kreisky wichtig. "Von ihm hatte sie nichts zu befürchten. Das war emotional sehr wichtig für Dohnal, da sie mit Ressentiments der eigenen Partei und anderen konfrontiert war".

Barbara Prammer erklärte in kurzen Worten, dass sie immer an Johanna Dohnal denkt, "wenn Männer besonders präpotent sind. Das passiert oft, auch im Parlament".

Geblieben sei der Dohnal-Auftrag, nicht leise zu treten, so wiederum Heinisch-Hosek. Auch wenn sie zugab, leiser zu agieren als Dohnal, warf sie mit kämpferischen Worten um sich. So rief sie etwa auf, am 19. März bei der geplanten Großdemonstration den Unmut auf die Straße zu tragen. "Den Mund nicht zu halten, das habe ich von Dohnal gelernt", lässt Heinisch-Hosek wissen.

Quote und mehr Geld

Die Frauenministerin nutzte die Bühne vor Gleichgesinnten nicht nur zur Huldingung Dohnals, sondern auch um aktuelle Forderungen auf das Tapet zu bringen. Sie sprach sich für eine Quote in Österreich nach norwegischem Vorbild aus. Den norwegischen AkteurInnen wurde klargemacht, dass mit einem hohen Frauenanteil ökonomischer Nutzen entstehe, so die Ministerin. Bei einer Übergangszeit von drei Jahren hatten Unternehmen Zeit, eine 40-prozentige Quote einzuführen. Bei Nicht-Einhaltung drohen in Norwegen zudem Sanktionen. Die Quoten-Debatte, führte Heinisch-Hosek weiter aus, "gibt es seit den 80er Jahren und ist wenig weit fortgeschritten". Zudem verlangte sie eine Aufstockung ihres Budgets. Derzeit arbeitet das Ministerium mit zehn Millionen Euro. Mit einer Aufstockung will die Ministerin Fraueneinrichtungen umfangreicher unterstützen. In Dohnal-Manier verwies Heinisch-Hosek schließlich darauf, dass "mehr Frauen in der Politik, auch weniger Männer in der Politik bedeutet". (Sandra Ernst Kaiser, dieStandard.at 16.2.2011)

  • Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek mit der freien Journalistin, Filmemacherin und durch den Abend führenden Moderatorin Susanne Riegler.
    foto: johannes zinner

    Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek mit der freien Journalistin, Filmemacherin und durch den Abend führenden Moderatorin Susanne Riegler.

  • Im Publikum: Barbara Prammer, Annemarie Aufreiter, Gabriele Heinisch-Hosek, Renate Brauner und viele mehr.
    foto: johannes zinner

    Im Publikum: Barbara Prammer, Annemarie Aufreiter, Gabriele Heinisch-Hosek, Renate Brauner und viele mehr.

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