Die erste Frau im Staat will keinen Druck

11. Februar 2011, 18:06
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Merkel und viele deutsche Männer lehnen gesetzliche Quoten ab

Zu teuer, zu wenig Service - über die Deutsche Telekom gibt es viele Klagen. In einem Punkt jedoch sind viele deutsche Frauen mit dem Unternehmen sehr zufrieden: Die Telekom will als erste deutsche Firma eine verbindliche Frauenquote einführen - und das sogar freiwillig. Bis 2015 sollen weltweit 30 Prozent aller Führungspositionen mit Frauen besetzt werden.

Auch andere deutsche Firmen sollen bald weiblicher werden. Darüber sind sich Männlein und Weiblein grundsätzlich einig. Bloß eine verbindliche Quote einführen, das möchte man(n) eigentlich nicht. Gerade erst hat Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) einen Vorstoß gewagt. Ihr Plan: Unternehmen sollen per Gesetz dazu verpflichtet werden, 30 Prozent Frauen in ihre Führungsetagen aufzunehmen.

Doch der kommt selbst ganz oben, bei der ersten Frau im Staate und von der Leyens Chefin, nicht gut an. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist gegen eine gesetzliche Frauenquote. Lieber möchte sie einen "pragmatischen Weg gehen, der aber das Ziel nicht aus den Augen lässt". Soll heißen: Merkel wird in den Chefetagen der großen, im deutschen Aktienindex Dax vertretenen Firmen persönlich für mehr Frauenpower an der Spitze werben. Gleichzeitig hofft sie, dass Firmen in den kommenden zwei Jahren selber eine verbindliche Quote festlegen und sich an diese dann halten.

Farbige Blumenwiesen

Ein erster Kandidat für ein Gespräch wäre wohl der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Er erklärte gerade erst, sein Geldinstitut habe zwar keine Frau in einer Topposition, Frauen würden Gremien aber sicher "farbiger" und "schöner" machen - woraufhin ihm Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) den Aufenthalt auf einer Blumenwiese empfahl.

Umfragen zeigen, dass in Deutschland 58 Prozent der Frauen für eine gesetzliche Frauenquote sind, aber nur 47 Prozent der Männer. Am höchsten ist die Ablehnung unter WählerInnen der CSU und der FDP. In 160 Konzernen, die in Deutschland an der Börse notiert sind, gibt es 21 Frauen in Vorständen, das sind weniger als drei Prozent. (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13.2.2011)

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