Andritz erhält umstrittenen Belo-Monte-Auftrag

11. Februar 2011, 15:02
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Grazer Anlagenbauer baut am Mega-Wasserkraftwerk am Xingu in Brasilien mit, der Auftrag ist 350 Millionen Euro schwer - Grüne kritisieren: "unverantwortlich"

Graz/Brasilia - Der steirische Anlagenbauer Andritz AG hat sich ein großes Stück am Kuchen für das Mega-Wasserkraftwerk Belo Monte am Xingu in Brasilien gesichert. Das Unternehmen bestätigte am Freitag Medienberichte, wonach der Zuschlag für die elektromechanische Ausrüstung an den französischen Konsortialführer Alstrom erfolgt sei. Ein 300 bis 350 Mio. Euro großer Anteil am Gesamtauftragsvolumen von 900 Mio. bis 1 Mrd. Euro gehe an Andritz.

Alstrom teilte am Mittwoch mit, dass der Zuschlag an das mit der deutschen Voith Hydro und Andritz gebildete Konsortium erfolgt sei. Geliefert werden u.a. 14 Francis Turbinen Generatorsets mit je 611 MW und sechs kleinere Rohrturbinen. Die Bauzeit für das mit 11.230 MW Leistung drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt wird mit acht Jahren angegeben.

Umstrittenes Engagement

Für Andritz ist es - gleichauf mit dem im Vorjahr erhaltenen Ilisu-Auftrag - das größte Geschäft im Bereich Hydro. "Wir sind Lieferant, schauen uns jedes Projekt genau an und achten darauf, dass alle Bewilligungen vorhanden sind", argumentierte Sprecher Oliver Pokorny das nicht unumstrittene Engagement. Weder in Deutschland noch in Frankreich gebe es Proteste, es handle sich um ein "rein österreichisches Thema, getragen von einer kleinen Gruppe".

Einmal mehr folgte die Kritik von Umweltschützern an dem umstrittenen Andritz-Engagement auf dem Fuß: Die Grüne Abgeordnete Judith Schwentner kritisierte, dass das im Amazonasgebiet Brasiliens geplante drittgrößte Staudammprojekt der Welt "seit Jahren aufgrund seiner dramatischen Auswirkungen auf die einzigartige Natur und die indigene Bevölkerung am Xingu-Fluss extrem umstritten" sei und "unter Missachtung internationaler Konventionen und der brasilianischen Verfassung durchgepeitscht" wurde.  Es stelle sich die Frage, wie man gesellschaftlich verantwortliches Handeln (CSR, "Corporate Social Responsibility") von Unternehmen wie dem steirischen Anlagenbauer überhaupt noch ernst nehmen könne.  (APA/red)

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