Deutsche Unternehmen: Mehr Frauen an die Spitze - aber ohne Quoten

10. Februar 2011, 16:23
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Merkel gegen 30-Prozent-Quote für Großunternehmen

Bei vielen deutschen Unternehmen ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen der mittleren Führungsebene in den vergangenen Jahren gestiegen. Die Chefetagen, vor allem Vorstand und Aufsichtsrat, sind aber weiterhin fest in Männerhand. In Politik und Wirtschaft wird darüber diskutiert, wie mehr Frauen in Top-Positionen gebracht werden können. Dabei stoppte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Vorstoß von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU), eine 30-Prozent-Quote für große Unternehmen einzuführen.

Grundsätzlich wollen die großen deutschen Unternehmen mehr Frauen in Führungspositionen bringen, aber ohne verbindliche Quoten. Die Debatte um eine solche Regelung und um Selbstverpflichtungen der Wirtschaft hält aber an: Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt forderte die Unternehmen auf, den Anteil der Frauen in Führungspositionen von sich aus anzuheben. Dagegen geht der Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt, davon aus, dass eine formale Quote nötig sei.

Merck will Frauenanteil erhöhen

Der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Merck will den Anteil der Frauen mit Spitzenposten deutlich erhöhen. Eine gesetzliche Regelung lehnt Merck aber ab. Auch im Aufsichtsrat von Volkswagen sollen nach den Vorstellungen von Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) mehr Frauen über die Strategie des Konzerns mitbestimmen.

Merck kündigte am Donnerstag an, weltweit solle der Anteil der Frauen im Top-Management bis 2016 auf 25 bis 30 Prozent steigen. Derzeit betrage die Quote konzernweit 22 Prozent, in Deutschland 17 Prozent. "Es entbehrt jeglicher wirtschaftlicher Vernunft, Frauen nur deswegen in Führungspositionen zu bringen, um eine Quote zu erfüllen", sagte Merck-Chef Karl-Ludwig Kley laut Mitteilung. "Unabhängig von Geschlecht, Alter und nationaler Herkunft muss sichergestellt sein, dass Führungskräfte ausreichend qualifiziert und in der Lage sind, diese Funktionen auch gut auszufüllen." Auch die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei eine wichtige Voraussetzung. "Eine Entscheidung für eine Führungskarriere sollte unabhängig von der familiären Situation getroffen werden können", betonte Kley.

McAllister sagte dem "Handelsblatt" (Donnerstag-Ausgabe), er setze sich dafür ein, dass das Kontrollgremium von Europas größtem Autobauer mit mindestens einem weiteren weiblichen Mitglied besetzt wird. "Bei VW, wo ich ja im Aufsichtsrat sitze, ist bereits eine Frau auf der Arbeitnehmerseite vertreten. Und selbstverständlich gibt es nun Überlegungen, auch auf der Anteilseignerseite ein Mandat durch eine Frau zu besetzen", erklärte der CDU-Politiker. Mit Blick auf die Diskussion über eine gesetzliche Quote forderte McAllister ein "stärkeres Umdenken" auch bei Volkswagen. (APA)

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