Filmabkommen zwischen Österreich, der Schweiz und Deutschland

10. Februar 2011, 15:58
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Gespräche in Berlin auch über Kinodigitalisierung und "Europeana"-Ausbau

Berlin/Wien/Bern/Brüssel - Im Rahmen der 61. Berlinale wird am Freitag ein trilaterales Filmabkommen zwischen Österreich, Deutschland und der Schweiz unterzeichnet. Laut einer Pressemitteilung des deutschen Auswärtigen Amts bietet das Abkommen einen rechtlichen Rahmen für die Zusammenarbeit von Produzenten der drei Länder. So sollen "Filme, die gemeinsam von deutschen, österreichischen und schweizerischen Co-Produzenten hergestellt werden" fortan "wie nationale Filme behandelt" werden.

Die speziell zwischen den kleineren österreichischen Produktionsfirmen ohnehin geübte Praxis der Koproduktionen wird damit Unterstützung durch einen rechtlichen Rahmen erhalten. Kulturministerin Claudia Schmied wird das Abkommen gemeinsam mit den deutschen Staatsministern Bernd Neumann und Cornelia Pieper sowie dem Schweizer Bundesrat Didier Burkhalter ratifizieren; auch Berlinale-Leiter Dieter Kosslick wird sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen, bei der Unterzeichnung dabei zu sein. Schmied betonte am Mittwoch in einer Aussendung des Kulturministeriums, das Abkommen bedeute "einen höheren Abstimmungsbedarf", drücke aber auch den "besonderen Kooperationswillen aller drei Partner, Film-Koproduktionen zwischen den drei Staaten zu fördern" aus.

"Europeana": Österreich auf Platz 14

Weitere Themen stehen in Berlin auf der Agenda. So will Schmied u.a. mit Neumann "die gemeinsamen Anliegen in Bezug auf die Digitalisierung der Kinos sowie die Stärkung der digitalen Bibliothek 'Europeana'" besprechen, wie es in der Aussendung heißt. Zu letzterer: Bücher, Filme und Gemälde aus Museen und Bibliotheken sollen für EU-Bürger von 2016 an im Internet frei zugänglich sein, hatte dazu eine Expertengruppe zur Digitalisierung des kulturellen Erbes Europas der EU-Kommission im Jänner in ihrem Abschlussbericht empfohlen. Die Mitgliedstaaten müssten sich intensiver darum bemühen, die Sammlungen ihrer Bibliotheken, Archive und Museen ins Netz zu stellen und ihre Mittel dafür aufstocken, heißt es in dem Experten-Bericht.

Eine Zwischenbilanz im Dezember hatte ergeben, dass bereits 14 Millionen digitalisierte Bücher, Landkarten, Fotos, Gemälde, Filme und Musikstücke in die 2008 gegründete "Europeana" eingespeist sind. Die EU-Kommissarin für Digitale Agenda, Neelie Kroes, trat für eine Beschleunigung des Prozesses ein, um Europas Kulturerbe online im Internet verfügbar zu machen - die Beiträge dazu seien allerdings noch noch "unausgewogen". Unter den 27 EU-Staaten hat Frankreich mit 17,98 Prozent den stärksten Anteil an den 14 Millionen Objekten, Deutschland (17,10) folgt vor Schweden (9,69), Österreich liegt mit mit 0,32 Prozent an 14. Stelle. Schlusslichter sind in der Aufstellung vom Dezember Zypern und Malta mit je 0,01 Prozent.

Kinodigitalisierung: Schweiz organisiert Umrüstung

Wie mitgeteilt wurde, arbeite das österreichische Kulturministerium bereits an einer Strategie für die Digitalisierung von Kinosälen heimischer Regional- und Programmkinos, die nach Druck der im vergangenen Oktober gegründeten Interessensgemeinschaft österreichischer Programmkinos "noch 2011 greifen soll".

Diesbezüglich entschlossener hat sich in einem Beschluss Ende Jänner das das Eidgenössische Departement des Innern gezeigt. Kleinere Kinobetriebe  werden in der Schweiz bei der kostspieligen Umrüstung auf digitale Filme finanziell unterstützt. In den kommenden sechs Jahren stehen insgesamt maximal neun Millionen Franken (umgerechnet 6,85 Millionen Euro) dafür zur Verfügung - damit sollen jährlich 100 bis 120 Kinosäle digitalisiert werden können. (red/APA)

 

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