Auf der Suche nach einem Preisetikett fürs Studium

10. Februar 2011, 17:22
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Die Uni-Finanzierung soll umgemodelt werden: Eine Studienplatzfinanzierung - samt Bekenntnis zur Menge - sei "ohne Alternative", zeigt eine Analyse von Beispielen aus dem Ausland.

Wien - Auf Seite 218 im Regierungsprogramm steht es unter Punkt 4: "Vorarbeiten für eine neue universitäre Budgetgestaltung". Das bedeutet Studienplatzfinanzierung nach internationalem Vorbild, aber am Ende soll ein "österreichisches Modell" herauskommen.

Nun liegen die ersten Vorarbeiten für dieses Projekt vor. Im Auftrag von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) hat Wirtschafts- und Innovationsforscher Karl-Heinz Leitner vom Austrian Institute of Technology einen Zwischenbericht seiner Analysen internationaler Fallbeispiele für Studienplatzfinanzierung präsentiert. Sein Ergebnis nach dem Vergleich der Modelle des deutschen Bundeslands Baden-Württemberg, der Schweiz, Großbritanniens, der Niederlande und Finnlands lautet: ohne Alternative. Die Studienplatzfinanzierung sei das am weitesten verbreitete Modell zur Finanzierung der Lehre an den Universitäten, sagt Leitner. Er habe kein anderes Modell entdeckt, das eine Alternative sein könnte. Diese Art, Universitäten zu finanzieren, löse zwar nicht deren Finanzprobleme, aber sie bringe mehr Transparenz ins System und eine bessere Planbarkeit für die Lehre.

Vorbild Fachhochschule

In Österreich sind die Fachhochschulen von Anfang an Studienplatz-finanziert. Das heißt, es werden sogenannte Normkosten pro Studienplatz (also auch unterschiedlich hoch je nach Disziplin) definiert, die die öffentliche Hand dann zur Verfügung stellt. Für den Uni-Bereich würde das bedeuten, dass Sozial-, Geistes- und Wirtschaftswissenschaften etwas niedriger dotiert sein werden als betreuungs- oder infrastrukturintensive Fächer wie Medizin, Kunst oder technisch-naturwissenschaftliche.

Wer A wie Studienplatzfinanzierung sagt, muss aber auch B wie "Mengengerüst" sagen: also den politischen Offenbarungseid leisten, wie viele Studienplätze man in dem oder dem Fach anbieten und finanzieren will - und nicht mehr.

In Leitners Studie heißt es dazu: "In keinem Land wächst das Budget im gleichen Ausmaß wie die Studierendenzahl im Sinne eines Automatismus: Budget =Menge (z. B. Anzahl der Studierenden) x Preis (Normkosten, Tarife). Eine derartige Formel setzt kein Land ohne Deckelung, Anpassung von Preisen oder (partielle) Zugangsbeschränkungen um."

Ministerium und Universitäten müssten dann die Zahl der Studienplätze ausverhandeln - auch unter Berücksichtigung des zukünftigen Arbeitsmarktbedarfs.

Begrenzter Uni-Zutritt

Sollte die von den Rektoren schon lange geforderte Studienplatzfinanzierung kommen, dann wäre das auch auf dem Papier das Ende des freien Uni-Zugangs. Denn laut Wifo-Volkswirt Jürgen Janger sind "Studienplatzfinanzierung und Zugangsbeschränkung technisch grundsätzlich untrennbar". Das Modell impliziere die Festlegung einer Zahl von Plätzen, für die die Unis die Betreuung in einer bestimmten Qualität gewährleisten können. "Entweder die Unis sagen, wie viele Studenten sie aufnehmen können, oder die Politik meldet in bestimmten Bereichen einen höheren Bedarf und muss dann aber auch die zusätzlichen Plätze finanzieren."

Die Crux dabei: Wer bessere Planung ermöglichen will, muss "einen gewissen Selektionsprozess" in Kauf nehmen. (APA, nim, DER STANDARD, Printausgabe, 11.2.2011)

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    Geld pro Studienplatz und Platz pro Student/in soll ein neues Uni-Finanzierungsmodell bringen.

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