"Mittelstand muss eine Chance haben, sich zu entfalten"

9. Februar 2011, 12:44
441 Postings

Die ÖVP will Maßnahmen für den "leistungsbereiten Mittelstand" setzen - Was das eigentlich ist, erklärt ÖAAB-Generalsekretär Lukas Mandl

"Lukas Mandl begrüßt die Offensive für den leistungsbereiten Mittelstand." Der ÖAAB-Generalsekretär zeigte sich vergangene Woche in einer Aussendung erfreut, als das ÖVP-Regierungsteam ankündigte, mit speziellen Förderungen die kleinen und mittleren Betriebe unterstützen zu wollen. "Leistungsbereiter Mittelstand" – Was versteht Mandl darunter eigentlich? derStandard.at hat nachgefragt.

derStandard.at: Die ÖVP will den Mittelstand fördern – warum eigentlich?

Mandl: Ich danke für die Frage weil "Mittelstand" ein technischer Begriff ist, den man oft ausleuchten muss. Für mich gehören zum Mittelstand jene Menschen, die mehr Bildung wollen und mehr arbeiten wollen, als das zum überleben unbedingt notwendig wäre. Das strahlt auf die Bildung aus, hat mit Arbeit zu tun, aber nicht nur mit Erwerbsarbeit, sondern durchaus auch mit Freiwilligenarbeit oder Familienarbeit. Es geht um alle Bereiche, wo Menschen im umfassenden Sinn etwas leisten.

derStandard.at: Mittelstand kann man nicht an einem bestimmten Einkommen festmachen?

Mandl: Im Gegenteil, ich glaube, dass in diesen Mittelstandsbegriff viele Menschen mit Migrationshintergrund fallen, die kommen und sich hier etwas aufbauen wollen. Viele schaffen das ja auch. Sie starten nicht mit einem hohen Einkommen, sondern auch ohne Einkommen oder mit einem niedrigen Einkommen. Durch Bildung – das betrifft oft die Kinder von Menschen mit Migrationshintergrund – und mit Arbeit schaffen sie es. Ein gewisser Innovationsgeist ist ebenfalls Voraussetzung, um sich etwas aufzubauen.

derStandard.at: Das bedeutet, der Mittelstand, das sind in erster Linie Selbstständige?

Mandl: Nein, nein überhaupt nicht. Nur ein kleiner Teil sind Personen, die selbstständig sind. Es geht nicht um die Art der Erwerbstätigkeit, es geht nicht um ein Einkommen. Es geht darum, mit Bildung und Arbeit mehr zu machen, als zum Überleben unbedingt notwendig wäre.

derStandard.at: Sie haben in Ihrer Aussendung den Begriff in einem Atemzug mit dem Adjektiv "leistungsbereit" genannt. Kann man also sagen: Mittelstand ist gleich leistungsbereit?

Mandl: Ja.

derStandard.at: Gibt es auch einen unleistungsbereiten Mittelstand?

Mandl: So wie ich es versucht habe zu definieren, gibt es das nicht.

derStandard.at: Nachdem die Regierungspläne in Sachen Budget bekannt wurden, war die Kritik groß, dass der Mittelstand stark belastet werde, Stichwort Kürzungen bei der Familienbeihilfe. Wie sehen Sie das?

Mandl: Der Mittelstand ist der größte Teil der Gesellschaft. Wenn ein Staatshaushalt gerettet werden muss, wie das letztes Jahr der Fall war, dann sind alle betroffen und natürlich auch dieser größte Teil der Gesellschaft. In die Zukunft hinein müssen wir daran arbeiten, dass der Mittelstand – und das ist ja mit dieser Mittelstandsoffensive, die jetzt gemacht wird ein wichtiger Schritt in diese Richtung – eine Chance hat, sich zu entfalten. Die Leistung des Mittelstandes kann durch äußere Rahmenbedingungen gehemmt werden, es kann Demotivation geben und das ist schlecht für die Gesellschaft. Das ist die politische Aufgabe dahinter. Es geht darum, dem Mittelstand zu helfen, sich zu entfalten. Es sollten möglichst die Barrieren und die Überregulierungen aus dem Weg geräumt werden.

derStandard.at: Würden Sie sich selbst dem Mittelstand zurechnen?

Mandl: Ich glaube schon. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 9.2.2011)

LUKAS MANDL (31) studierte Publizistik an der Universität Wien. Er ist Generalsekretär des ÖAAB und ÖVP-Landtagsabgeordneter in Niederösterreich.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Es geht um alle Bereiche, wo Menschen im umfassenden Sinn etwas leisten."

Share if you care.