Frontalangriff gegen "das gesteigerte Aufhetzen"

7. Februar 2011, 15:35
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Welche Maßnahmen den Vorfällen in Ebensee folgten - derStandard.at hat nachgefragt

Nur allzu deutlich sind die Bilder, die der Name Ebensee noch immer ins Gedächtnis ruft. Obschon zwei Jahre zurückliegend sind die Vorfälle rund um vier Jugendliche, die in der Gedenkstätte öffentlich nationalsozialistisches Gedankengut verbreiteten, nachwievor ein Thema. Bundeskanzler Faymann und Unterrichtsministerin Schmied setzten unmittelbar nach den Geschehnissen zum Frontalangriff auf "das gesteigerte Aufhetzen der Jugend" an. User "powidls" Frage betrifft die damals angekündigten Konsequenzen: "Faymann kündigte damals besondere Maßnahmen an Schulen an, was wurde daraus und was wurde aus der angekündigten Budgetaufstockung des MKÖ?" derStandard.at hat bei Willi Mernyi vom Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) und im Ministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) nachgefragt.

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"Sensibilisierung der LehrerInnen"

"Grundsätzlich sind alle Schritte des Maßnahmenpapiers umgesetzt worden", so eine Sprecherin der Unterrichtsministerin. Das im Mai 2009 im "Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes" (DÖW) veröffentlichte Papier enthält vor allem "Maßnahmen zur Sensibilisierung von LehrerInnen" und eine Reihe aufklärender Aktivitäten für Schüler aller Schultypen und Altersklassen.

• Zeitzeugengespräche an Schulen
• Workshops zum Thema Zivilcourage
• Lernen an Gedächtnisorten: Besuch der KZ-Gedenkstätte Mauthausen
• Audiotouren ausgewählter Schauplätze: Hörspuren

Die Initiativen des Unterrichtsministeriums in Zusammenarbeit mit der Plattform _erinnern.at_ und dem Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) sind nur teilweise neu und stehen sämtlichen Schultypen zur Verfügung, wobei der Fokus auf den Berufsschülern, also den 15- bis 18-Jährigen liegt.

"Train The Trainer"

Seit dem Wintersemester 2009/10 nehmen PflichtschullehrerInnen im Rahmen ihrer Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule an spezifischen Fortbildungsreihen unter dem Motto "Train The Trainer" zu "Informationen und Empfehlungen für die Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Holocaust sowie Diskriminierung und Rechtsextremismus in der Gegenwart" verpflichtend teil. Auch _erinnern.at_ bietet Fortbildungsseminare für LehrerInnen an und organisiert sogar Reisen zur Holocaustgedenkstätte "Yad Vashem" in Israel - ein Angebot, das laut BMUKK jährlich etwa 50 PädagogInnen in Anspruch nehmen.

LehrerInnenhandbuch

Des Weiteren ist derzeit ein Lehrerhandbuch in Arbeit, das von Vertretern des Anne-Frank-Hauses in Amsterdam gemeinsam mit einem Team von _erinnern.at_ verfasst wird. Neben einer Vielzahl an DVDs soll der Ratgeber den österreichischen PädagogInnen als Unterstützung im Unterricht zur Verfügung stehen.

Projektförderung statt Budgetaufstockung

Was die von Bundeskanzler Faymann angekündigte Budgetaufstockung für das MKÖ betrifft, so wurde diese als solche nicht erfüllt. "Das MKÖ hat keinen einzigen Euro bekommen", sagt MKÖ-Vorsitzender Willi Mernyi. Allerdings betonte er auch: "Wir haben Projekte eingereicht und dafür Unterstützung erhalten." So geschehen mit den bereits erwähnten Workshops zum Thema Zivilcourage, woran insgesamt 4800 SchülerInnen teilnahmen. Gefördert wurde auch die Ausbildung junger Guides für die Gedenkstätte Mauthausen und vor allem deren Außenlager an 50 Standorten in ganz Österreich. Fruchtlos blieb die Anfrage auf Subvention für die Publikation "Rechtsextrem", worin Codes und Symboliken der Szene beschrieben sind. Sie sollte als Hilfe bei der Erkennung potenzieller Gefahren dienen, jedoch "ohne Reflexhandlungen auszulösen", so Mernyi. (Stefanie Leodolter, derStandard.at, 7.2.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Vorfälle von Ebensee 2009 waren Anlass der von Faymann und Schmied angekündigten Maßnahmen.

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