Streit um Ägypten-Flüge

7. Februar 2011, 13:38
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Der AUA-Betriebsrat fürchtet um die Sicherheit der Piloten und wirft dem Unternehmen Vertragsbruch vor

Wien - Der Betriebsrat des fliegenden AUA-Personals will sich nun mit Hilfe der Richter in "Ägypten-Krisensitzungen" der AUA-Manager hineinreklamieren. Am Montagnachmittag lässt Bord-Betriebsratschef Karl Minhard eine Einstweilige Verfügung gegen die AUA einbringen. Minhard wirft der AUA-Leitung Vertrags-, jedenfalls aber Wortbruch vor. Die AUA wies den Vorwurf entschieden zurück.

Zum wiederholten Male gebrochen hat die AUA in Minhards Augen die geltende Betriebsvereinbarung. Sie sehe vor, dass die Belegschaftsvertretung an Krisen-Treffen zur Lage in teilnimmt. Dass das Management erkläre, es handle sich um keine Krisentreffen, ist für Minhard "kompletter Schwachsinn. Die ganze Welt weiß, dass es eine Krise gibt in Ägypten. Da unten tut sich was."

Minhard erinnert sich, dass die AUA auch in den 80er Jahren Evakuierungsflüge durchgeführt habe, da habe man auch immer gesagt, es sei alles in Ordnung. Ebenso, als eine Crew in Kuwait nicht mehr ausreisen konnte. Da sei auch erklärt worden, man habe alles im Griff. "Bei der Aschewolke haben wir uns selber reinreklamiert in die Meetings", so Minhard. "Das sollte ein Automatismus sein." Ein AUA-Sprecher dementierte: In der Vulkan-Asche-Krise mit den Flugverboten sei der Betriebsrat "selbstverständlich" zu den Meetings eingeladen worden.

Reisewarnung

"Warum will man uns nicht dabei haben?", fragt sich der Belegschaftsvertreter jetzt im Zusammenhang mit Ägypten. "Vielleicht hat man was zu verbergen", die AUA-Führung habe ja wohl recht gute Informationen von Behörden. Der Betriebsrat müsse da ebenfalls informiert sein, "wir können nicht vertreten, wenn wir nicht eingebunden sein. Wir haben dem Personal daher empfohlen, Flüge nicht durchzuführen", sagte Minhard. Ob sich das Personal daran hält? "Es wird immer Leute geben, die freiwillig teilnehmen."

Wenn für ein Land eine Reisewarnung ausgegeben wird, fliegen ausschließliche freiwillig Crews, das sei klar. "Trotzdem gibt es einen Vertrag", so Minhard.

AUA-Sprecher Martin Hehemann wies am Montag alle Vorwürfe zurück. "Falls es Krisensitzungen zur operationellen Sicherheit des Flugbetriebs gibt, darf der Betriebsrat dabei sein. Solche Meetings gab es bei Vulkanasche. Im jetzigen Fall ist die operationelle Sicherheit des Flugbetriebs nicht das Thema", argumentiert Hehemann. "Die ist gegeben, man muss da trennen von der Situation am Boden und in der Stadt und der Sicherheit des Flugbetriebs." Die AUA habe mit den Airports, mit den Luftraumüberwachungsbehörden und den anderen Behörden beraten. Meetings zu Ägypten habe es dreimal gegeben, "da ging es aber nicht um den operationellen Betrieb, sondern um kommerzielle Fragen - wie etwa Sonderflüge." Das sei eindeutig etwas anderes. "Sicherheit hat bei uns immer höchste Priorität", so der Sprecher. An den Betriebsrat appellierte er, auf Polemik zu verzichten. (APA)

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