China setzt auf große Rote

6. Februar 2011, 18:07
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Chinesische Firmen kaufen im Bordeaux-Gebiet systematisch Weingüter auf. Und das nicht nur um den Wein, sondern auch das dazugehörige Know-how zu importieren

Einschlägige Weinführer nennen ihn "reichhaltig", "samtweich" oder "opulent". Nun verdient der Bordeaux-Rotwein Château de Viaud auch das Attribut "chinesisch": Der aus Peking stammende Staatskonzern Cofco hat das renommierte 20-Hektar-Gelände im Südwesten Frankreichs diese Woche vom lokalen Weinhändler Philippe Raoux gekauft, wie dieser bekanntgab. Experten schätzen den Preis auf 10 Millionen Euro. Das ist ein Pappenstiel für den chinesischen Nahrungsmittelkonzern, der jährlich 15 Mrd. Euro umsetzt.

Im Bordeaux-Gebiet schlägt der Deal trotzdem hohe Wellen. Château de Viaud ist ein bekannter Pomerol-Wein mit über 200 Jahren Existenz. Er gibt im Jahr nicht mehr als tausend Hektoliter ab und wurde vornehmlich in Frankreich und den USA getrunken.

Staatskonzern steigt ein

Der Eigentümerwechsel macht klar, dass das chinesische Interesse am weltgrößten Weinanbaugebiet Methode hat. 2008 hatten Unternehmen aus der Volksrepublik das Gut Château Latour-Laguens gekauft, 2009 Château Richelieu und 2010 Château Chenu Lafitte. Nun steigt erstmals ein chinesischer Staatskonzern im Bordelais ein. Und laut Philippe Raoux ist Cofco auf der Suche nach weiteren Bordeaux-Rotweinen.

"Das wachsende Interesse Chinas für die französische Vortrefflichkeit im Weinbau ist eine Antwort auf die exponentiell zunehmende chinesische Nachfrage nach Qualitätsweinen", erklärte das Pariser Anwaltsbüro GLN, das die Transaktion vermittelte. China ist im vergangenen Jahr sowohl volumen- wie umsatzmäßig zum wichtigsten Abnehmer von Bordeaux-Weinen geworden. Damit hat der bevölkerungsreichste Staat des Planeten den bisherigen Hauptimporteur USA überholt.

Gewaltiges Potenzial

Noch trinken die Chinesen im Schnitt nur einen halben Liter Wein pro Jahr - während sich Franzosen jährlich 43 Liter Roten, Weißen oder Rosé zu Gemüte führen. Das Potenzial und die Zuwachsraten des fernöstlichen Marktes sind aber gewaltig, zumal vor allem betuchte Chinesinnen aus Prestigegründen offenbar immer lieber einen Wein mit französischer Etikette trinken. Die meisten Bordeaux-Händler verfügen heute über ein Büro in Hongkong, das seit 2008 die zollfreie Einfuhr des Weines erlaubt.

Die chinesischen Bordeaux-Investoren wollen die gekauften Weine aber nicht nur importieren. Sie wählten mit Château de Viaud bewusst ein Traditionsweingut aus, dessen Erfahrung sie sich zunutze machen können. "Indem Cofco Besitzer eines Pomerol-de-Lalande geworden ist, wird er nach Belieben das Know-how der Bordeaux-Winzer studieren können, um seine eigenen Weinberge zu verbessern", sagt der französische Weinexperte Pierre-Henri de Menthon.

Der 1949 gegründete chinesische Nahrungsmulti stellt neben Tee und Nudeln schon heute selber einen Wein namens "Great Wall" her. Noch sei dieser Tafelwein, wie ein Pariser Weinkenner mit ortsüblicher Herablassung meint, "kaum die Flasche wert, in der er serviert wird". Bis die chinesischen Winzer die Produktqualität ihrer französischen Kollegen integriert und erreicht haben, wird es Jahre dauern. Doch in nicht allzu ferner Zukunft werden wir, so schätzt de Menthon, ebenfalls chinesischen Qualitätswein trinken. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.2.2011)

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    Die meisten Bordeaux-Weine landen inzwischen in China - und die Weingüter gleich mit dazu, damit einmal aus dem "Great Wall" ein brauchbarer Wein wird.

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