Gewalt als Ausdruck patriachaler Strukturen

4. Februar 2011, 12:18
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"Im Zeit-Raum" auf TW1 zeigt ein Gespräch mit Monika Hauser, Gründerin von "medical mondiale"

Wien - Sexuelle Gewalt ist eine Kriegswaffe. Nachdem die Kölner Frauenärztin Monika Hauser Anfang der 90er-Jahre von den massiven Menschenrechtsverletzungen, die Frauen zu erleiden hatten, erfuhr, wollte sie ein Zeichen setzen. Wütend auf die träge internationale Hilfsmaschinerie, die sich diesem Problem offensichtlich nicht annahm, legte sie der Kommune von Zenica in Zentralbosnien das Konzept für ein Projekt zur gynäkologischen und psychologischen Betreuung extrem traumatisierter Frauen vor. Danach mietete sie ein Gebäude und stellte Personal ein. All das tat sie ohne organisatorischen und finanziellen Rückhalt.

Dass ihr Engagement ihr eigenes Leben und das tausender Frauen derart verändern würde, war der Ärztin damals noch nicht bewusst, macht sie aber heute umso stolzer. Im Gespräch mit Johannes Kaup verrät sie, dass sie noch lange nicht zufrieden sei. Denn sexuelle Gewalt, Unterdrückung und Benachteiligung von Frauen findet sich nicht ausschließlich in Kriegs- und Krisengebieten. Sie ist Ausdruck von patriarchalen Strukturen, die sich auch in Friedensgesellschaften finden. Für die engagierte Ärztin ein Ansporn, noch intensivere Bewusstseinsarbeit zu leisten.

Im Gespräch mit Johannes Kaup erzählt die Ärztin auch von einem ihrer landwirtschaftlichen Vorzeigeprojekte. Angeschlossen an die psychosoziale Unterstützung der Frauen hat "medical mondiale" ihnen Ziegen, Kühe und Bienenstöcke zur Verfügung gestellt. Mit dem erwirtschafteten Geld können die Frauen ihre Kinder zur Schule schicken. Sie sind von Opern zu Überlebenden und Gestalterinnen ihrer eigenen Lebensperspektive geworden. Ein Hoffnungszeichen für die ökonomisch schwach entwickelte Region. (red)

Termin

Mittwoch, 9. Februar 2011, 12:05 Uhr und 22:45 Uhr auf TW1

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    Monika Hauser erhielt 2008 den Alternativen Nobelpreis.

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