Murdochs iPad-"Daily": Zeitung der Zukunft oder "Apples Würgegriff"?

3. Februar 2011, 18:36
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Neben Nachrichten auch Gerüchte und Apps - Apple will 30 Prozent des Verkaufspreises und Kontrolle über Kundendaten (

Medienmogul Rupert Murdoch preist das iPad von Apple als ideale Plattform an, um die Zukunft der Zeitung zu retten. Andere Verlage beklagen dagegen die Geschäftspolitik von Apple und hoffen auf die Konkurrenz durch Google & Co.

Pläne

Rupert Murdoch wird im März 80 Jahre alt, doch der australische Medien-Unternehmer hat noch große Pläne. Mit der iPad-Zeitung "The Daily" will der Vorstandsvorsitzende der News. Corp. die Medienlandschaft erneut umkrempeln. "Neue Zeiten brauchen neuen Journalismus", sagte Murdoch am Mittwochabend (Ortszeit) im New Yorker Guggenheim-Museum zur Premiere der mit Spannung erwarteten iPad-Zeitung.

Im Gegensatz zu den meisten News im Internet soll "The Daily" nicht kostenlos sein. Nur die ersten beiden Wochen werden durch den Mobilfunkprovider Verizon gesponsert. Danach soll "The Daily" wöchentlich 99 Cent, 4,25 Dollar pro Monat oder jährlich 39,99 Dollar kosten. Murdoch betonte, es gebe gebildete Menschen, die nicht mehr Zeitung lesen oder Nachrichtensendungen im TV verfolgen. "Sie konsumieren aber dennoch Medien. Das iPad verlangt von uns, dass wir unser Handwerk komplett neu erfinden."

Keine tiefschürfenden Inhalte

"The Daily" beeindruckt weniger durch tiefschürfende Inhalte. So gab es zur Krise in Ägypten nur zwei größere Geschichten und etliche Fotos. Die "Nachrichten" bilden aber auch nur eine von insgesamt sechs Rubriken. Dafür gibt es eigene Bereiche für "Gossip" (Gerüchte rund um Stars und Sternchen), Kommentare, "Art & Life" (Kunst & Leben) "App & Games" (Anwendungen & Spiele) sowie den Sport. Neu ist die bisher einzigartige Aufbereitung von Texten, Bildern und Videos auf dem iPad. Außerdem hat "The Daily" durchgehend die Möglichkeit vorgesehen, Inhalte zu kommentieren und über Online-Netzwerke wie Facebook und Twitter zu verbreiten.

Murdoch startete die Premiere von "The Daily" mit einem rhetorischen Kniefall vor Apple-Chef Steve Jobs, der wegen seiner krankheitsbedingten Auszeit nicht nach New York kommen konnte. "Ich danke dem unglaublichen Steve Jobs, ein Mann, der eigenhändig die Welt der Technologie und der Medien verändert hat." Die neuen Perspektiven erfreuen Murdoch um so mehr, als er sich bei "The Daily" immense Kosten sparen kann: "Keine Druckmaschinen, die viele Millionen kosten, kein Papier, keine Lastwagen - wir reichen diese Kostensenkungen an den Leser weiter und können so "The Daily" für nur 14 Cent am Tag anbieten."

Rettung

Ist das iPad nun der Rettungsanker der Zeitungsbranche? Vor neun Monaten hatte der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, ähnlich überschwänglich wie Murdoch geäußert: "Jeder Verleger sollte sich einmal am Tag hinsetzen, beten und Steve Jobs dafür danken, dass er mit diesem Gerät (dem iPad) die Verlagsindustrie rettet", sagte Döpfner im US-Fernsehen. Doch mittlerweile sind die Verlagsmanager ernüchtert. Sie können sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass Apple 30 Prozent des Verkaufspreises einbehält, auch wenn die Kalifornier dafür die Kosten für den Download der Inhalte und das Inkasso übernehmen.

Der Streit geht aber nicht nur um die Erlösaufteilung: "Im Falle von Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen will sich Apple auch Kontrolle über die wichtigen Kundendaten verschaffen", beklagte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in einem Kommentar und sprach von "Apples Würgegriff". Bei der Premiere von "The Daily" versuchte Apple-Manager Eddy Cue die Gemüter zu beschwichtigen. Apple werde demnächst ein Abo-Modell für die Verlage präsentieren, in dem neben iTunes auch andere Wege vorgesehen seien, die Inhalte zu erwerben. "Wir haben ein ausgezeichnetes Verhältnis zu den Verlegern." Außerdem wolle man die Verbraucher glücklich machen.

Android

Die neue Flexibilität von Apple hat wohl auch mit einem Ereignis zu tun, das zwei Stunden nach der "Daily"-Premiere startete: Google-Manager präsentierten in Mountain View die neueste Version des Betriebssystems Android "Honeycomb", das speziell für Tablet-Computer ausgelegt ist. Mit den Android-Tablets und anderen Geräten wird das iPad noch in diesem Jahr ernsthafte Wettbewerber bekommen. Und Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. (APA/dpa)

 

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