Der Maßanzug von der Stange

1. Februar 2011, 16:48
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Der X3 wurde noch einmal überarbeitet und sitzt jetzt noch besser. Im Segment der kompakten SUVs gibt BMW damit den Ton an. Eine neue Bescheidenheit zieht an, dabei fehlt es nicht an Komfort, Dynamik und Fahrspaß

Es ist schon erstaunlich, wie gut ein Auto passen kann und wie überzeugend ein gutes Auto, dem es an nichts gemangelt hat, noch besser werden kann. Bevor wir hier aber ins Schwärmen geraten, sei noch eine Kennziffer verraten, die das Ganze ins richtige Licht rückt: 60.018 Euro. So viel kostet unser Testwagen, der X3 xDrive 20d mit ein paar Extras.

Für 60.000 Euro kann man sich auf dieser Fläche Auto auch einiges erwarten, und das zumindest erfüllt der X3, man könnte sagen: Ist doch selbstverständlich.

Das Erste, was am X3 auffällt: Er passt. Er sitzt gut. Man fühlt sich sofort wohl. Der Innenraum nimmt einen heimelig auf. Der Wagen wirkt wesentlich kompakter, als er laut den tatsächlichen Maßen eigentlich ist. Von innen wie außen ist er überblickbar. Dabei ist er doch recht groß, vier Meter sechzig lang, und den Radstand von zwei Meter achtzig schätzen wir im Fahrgefühl doch sehr. Parkplatzsuche in der Stadt ist an der Grenze, da merkt man die Länge dann doch wieder.

Was noch taugt: xDrive, also Allradantrieb, sowieso. Man wird auf Schnee und Eis fast ein wenig in Versuchung geführt, die Vorsicht außer Acht zu lassen, weil sich der Wagen so direkt seine Spur bahnt. Man will übermütig werden. Zur Hohen Wand hinauf eilen wir leichten Fußes, es hat die Nacht über geschneit, der Wagen liebt die Straße wie ein junger Hund den frischen Schnee. Schade, dass man schon am Parkplatz ist, da geht wohl noch eine Extrarunde, da hinten im tiefen Schnee.
Blanke Felgen

In verträglichen Maßen ist der X3 ja tatsächlich geländegängig, schwere Aufstiege oder Abfahrten sind natürlich nicht möglich. Letztendlich ist auch der X3 ein feiner Pinkel, ein Städter wie die meisten SUVs, die sich nur ungern die blanken Felgen schmutzig machen.

Was dieser und unserer Test-X3 besonders gut kann: bescheiden sein. Beim Blick aufs Papier ist man noch geneigt zu sagen: "Ach, nur vier Zylinder, nur zwei Liter Hubraum. Diesel auch noch. Schade, dass hier nicht aus dem Vollen geschöpft wurde."

Dann wird man eines Besseren belehrt. Weil immer noch 184 PS und, noch spürbarer, doch 380 Newtonmeter an Drehmoment. Das ist ein unglaublich agiler und dynamischer Motor, der wirklich sportlich ist. Es beschämt einen fast, wie ausreichend und spaßbringend dieses vergleichsweise kleine Motörchen in diesem doch nicht ganz kleinen Wagen ist. Und anders als mit den wirklich großen Geländewagen oder Familienkutschen, die im Prinzip am besten geradeaus fahren können und dabei bloß nicht gestört werden wollen, könnte man mit dem X3 wedeln und Kurven und Ecken fahren.

Die brave Motorisierung schlägt sich auch in vernünftigen Verbrauchswerten nieder, mit sieben, acht Litern im Alltag ist ein Durchkommen möglich, wenn man nicht sonderlich drauf achtet. Das wird natürlich mit allerlei Unterstützung möglich, BMW setzt hier etwa auf Bremsenergierückgewinnung, eine Start-Stop-Automatik, Leichtbau und die richtige Bereifung.

Insgesamt ist der X3 so vernünftig und praktisch, dass er fast schon bieder wirkt. Aber er sitzt wirklich gut, und die Fahrdynamik ist auch nicht wegzudiskutieren, da ist immer eine Spur Spaß und Vergnügen dabei. (Michael Völker/DER STANDARD/Automobil/28.01.2011)

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BMW

  • Das sind doch mehr als vier Meter sechzig in der Länge, und irgendwie 
merkt man das gar nicht.
    foto: christian fischer

    Das sind doch mehr als vier Meter sechzig in der Länge, und irgendwie merkt man das gar nicht.

  • Auch innen geht es beim X3 kompakt zu, ohne 
dass es für die Passagiere eng wird.
    foto: christian fischer

    Auch innen geht es beim X3 kompakt zu, ohne dass es für die Passagiere eng wird.

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