Cuche, ein Außenseiter und wieder Stürze

29. Jänner 2011, 15:40
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Schweizer auch bei Abfahrt in Frankreich überlegener Mann - Italiener Paris Zweiter vor Kröll, Puchner und Walchhofer - Kanadier Osborne-Paradis der nächste Verletzte

Chamonix - Didier Cuche hat seine phänomenale Form auch bei der Abfahrt in Chamonix ausgespielt. Der Schweizer, vor einer Woche auch Sieger in Kitzbühel, hängte am Samstag die Konkurrenz auch bei der WM-Generalprobe ab und gewann vor dem Überaschungsmann Dominik Paris aus Italien. Dahinter folgten die Österreicher Klaus Kröll Joachim Puchner und Michael Walchhofer.

Erneut gab es schwere Stürze. Während Georg Streitberger, von einer Welle abgeworfen und durch die Luft katapultiert, glimpflich davon gekommen sein dürfte, musste der Kanadier Manuel Osborne-Paradis mit dem Rettungshelikopter abtransportiert werden. Bei ihm war von einer Rippenverletzung die Rede. Streitberger konnte selbst ins Ziel schwingen, wo er - heftig humpelnd - hoffte, das sein Knie nicht ärger lädiert sei. Seinen Sturz erklärte der Salzburger mit einem Fahrfehler: "Es hat mir den Ski verschnitten und dann das linke Knie ein bisschen verdreht. Es tut zwar weh beim Draufsteigen, aber ich hoffe, dass nichts gerissen ist."

Für Cuche war es der 16. Weltcup-Sieg seiner Karriere, der neunte in der Abfahrt. Mit einem Vorsprung von 0,67 Sekunden auf Paris, bisher nie besser als 17., fiel er besonders deutlich aus. Cuche schob sich in der Weltcup-Gesamtwertung auf Platz zwei. Sein Rückstand auf den weiter überlegen führenden Ivica Kostelic, der diesmal außerhalb der Top 20 landete, beträgt aber noch immer mehr als 400 Punkte.

Paris legte mit 1:59,58 Minuten eine Zeit vor, an der sich alle mit Ausnahme des in absoluter Hochform befindlichen Cuche die Zähne ausbissen. Seine bisher besten Weltcup-Ergebnisse hatte der 21-Jährige mit 14. Plätzen in Kombinationen sowie im Super-G erzielt. "Ich bin so froh, dass es heute so gut gegangen ist. Die Fahrt war nicht schlecht vom Gefühl her, aber erst als ich die 1:59er-Zeit im Ziel gesehen habe, habe ich gewusst, dass ich heute super Punkte holen kann", freute sich der Südtiroler nach seinem überraschenden Sprung aufs Podest.

Gegen Cuche war er jedoch chancenlos. "Der Sieg in Kitzbühel hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Und wenn die Lockerheit da ist und bleibt, dann ist man schnell", betonte der Fleischhauer aus Neuchatel, der nun auch vom WM-Titel in zwei Wochen in Garmisch-Partenkirchen träumt. "Das ist mein Ziel. Wenn das passiert, ist alles in Ordnung. Aber auch wenn es nicht passiert, ist alles in Ordnung. Man sieht ja, wie gefährlich dieser Sport ist", erklärte der 36-Jährige.

Denn nach dem Unfall von Mario Scheiber im Donnerstag-Training forderte die 3.370 m lange, eigentlich als nicht allzuschwe eingeschätzte Strecke, auch im Rennen ihre Opfer. "Es ist eine blöde Serie", meinte Michael Walchhofer und dachte dabei auch an den nach seinem Kitzbühel-Sturz noch immer auf der Intensivstation in der Uniklinik Innsbruck liegenden Landsmann Hans Grugger. Während sich der am Kopf schwer verletzte Salzburger noch immer in der Aufwachphase aus dem künstlichen Koma befindet, unternahm Scheiber indes im Mont-Blanc-Krankenhaus bereits erfolgreich erste Geh- und Stehversuche.

Fünf von zehn

Trotz Dezimierung zeigte das ÖSV-Aufgebot eine starke Vorstellung: fünf Mann landeten mit Kröll, Puchner, Walchhofer, Romed Baumann (9.) und Hannes Reichelt (10.) in den Top Ten. "Das zeigt, wie mental stark diese Mannschaft ist und dass auch was nachkommt", betonte Reichelt, der bis zur letzten Zwischenzeit sogar auf Podestkurs gelegen war, ehe ihm im unteren Teil ein Fehler unterlief.

Nur drei Hundertstel fehlten Puchner dorthin. "Unglaublich, was ich da heute erreicht habe. Dass ich einmal meinen Nachbarn Michael Walchhofer in einem Rennen schlagen kann - ich hätte ich nie gedacht, dass ich das einmal schaffe. Ich habe aber gleich gespürt, dass ich einen sehr schnellen Ski habe. Ich hatte ja schon super Trainingsergebnisse, diese aber bisher nie ins Rennen umsetzen können", meinte der 23-Jährige, der nun auch mit einer WM-Nominierung rechnet. (red)

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