Einkaufsgemeinschaft für die Versicherung

31. Jänner 2011, 16:57
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Firmen knausern bei den Leistungen für ihre Mitarbeiter, ein schlankes Vorsorgeangebot ist die Einkaufsgemeinschaft

Wien - Früher war vieles besser. Zumindest was die Sozialleistungen der Firmen betrifft, wenn man den rechten Zeitraum in Rechnung nimmt. Da gab es zum Beispiel die üppigen Zeiten, wo die Firma zur Krankenversicherung etwas dazu zahlte. Mittlerweile wurde in diesen Dingen eher kräftig abgespeckt. Die finanziellen Zusatz-Leistungen für den Durchschnitts-Mitarbeiter wurden in den letzten Jahren deutlich zurechtgestutzt. Vieles wurde aber auch besser und anders.

Nimmt man etwa die Gruppenkrankenversicherung unter die Lupe, so hat sich einiges geändert, sagt Uniqa-Vorstand Peter Eichler im Gespräch mit derStandard.at. " Altmodisch ist das nicht. Aber heute liegt der Fokus eher darin, dass die Firma sagt, ich ermögliche euch das. Dazugezahlt wird von der Firma heute eher nichts." Gerade von modernen Unternehmen in der IT- und Kommunikationsbranche würden diese Leistungen aber dennoch nachgefragt, oft verknüpft mit einer umfassenden Gesundheitsstrategie. Ein Trend, der laut Eichler von immer mehr Firmen aufgegriffen werde. Als Arbeitgeber könne man gerade bei jungen und dynamischen Arbeitnehmern mit solchen Offerten punkten, ist Eichler überzeugt. Andrerseits gehe es aber nicht nur um das Mitarbeiterwohl in der Firma; sondern auch um gesamtgesellschaftliche Aspekte. "Wir müssen der Tatsache ins Auge schauen, dass aufgrund der demografischen Entwicklungen ein Arbeitskräftemangel in einigen Jahren absehbar ist. Es wird also immer wichtiger, die Mitarbeiter gesund im Job zu erhalten."

Einzelversicherung mit ein bisschen Rabatt

Die Gruppenversicherung ist heute eigentlich eine Einzelversicherung, wie sie jeder als Privatperson kaufen kann - immerhin mit einem kleinen Prämienvorteil. Der gilt allerdings nur solange jemand einer Gruppe angehört. Scheidet der Arbeitnehmer also aus der Firma aus, fällt der Prämienvorteil weg. Grundsätzlich gilt: Je mehr Gruppenteilnehmer, desto höher der Prämienvorteil, der sich üblicherweise im Rahmen von zehn bis 20 Prozent bewegt. Die "zugelassene" Gruppengröße variiert je nach Anbieter. Beim heimischen Versicherer Uniqa bilden ab zwanzig Personen eine Gruppe. Der Malermeister mit seinen beiden Gesellen oder der Greißler mit seinen beiden Verkaufsmitarbeiterinnen kann auf diese Form der Vorsorge also nicht zurückgreifen.

Zwei Szenarien sind denkbar, wenn sich eine Firma entscheidet, eine solche Gruppenkrankenversicherung abzuschließen. Die Geschäftsleitung oder der Betriebsrat entscheiden, eine Gruppe zu organisieren und damit also den Mitarbeitern dieses kleine Versicherungs-Zubrot zu ermöglichen. Die zweite Möglichkeit, dass die Firma etwas dazuzahlt ist unter anderem auch deswegen selten geworden, weil der Spielraum für ein Unternehmen, steuerfrei zuzuzahlen, mit 300 Euro pro Jahr relativ beschränkt ist. 25 Euro im Monat ist also in der Regel der Höchstbetrag, den heute eine Firma laut Eichler beisteuert: "Dass jemand mehr dazuzahlt, ist die große Ausnahme."

Kein Ausstieg mit der Pension

Was durch diese Art der "Einkaufsgemeinschaft" möglich ist, legen Betriebsrat oder Geschäftsführung mit dem Versicherer fest. Üblicherweise handelt es sich um eine Sonderklasseversicherung, in die - je nach Vereinbarung in unterschiedlichem Ausmaß - auch Familienmitglieder (zum Beispiel Kinder bis zu einem bestimmten Alter) mit eingeschlossen werden können. Als Leistungen könnten etwa anfallen: , dass die versicherten Personen als Privatpatient neben dem Komfort eines Sonderklassezimmers Anspruch auf freie Krankenhauswahl, kürzere Wartezeiten auf Behandlungen und Operationen und auf die freie Arztwahl haben. Normalerweise wird im Gruppenversicherungsvertrag auch festgelegt, dass eine Pensionierung nicht den Ausschluss aus der Gruppenversicherung bewirkt. Ist dies vertragsgemäß doch der Fall, fällt schlimmstenfalls dieser Rabatt weg. "Das gilt für die Gruppenversicherung, wie sie seit 15 Jahren gesetzlich geregelt ist", sagt Eichler. Problematischer sei es allerdings zuweilen bei älteren Vertrags-Beständen. Eichler: "Da hat jemand auch das Recht auf Fortsetzung, allerdings wird dann umgerechnet in eine Einzelversicherung, und damit kann es auch zu saftigen Prämiensprüngen kommen. Das hängt damit zusammen, dass früher die Gruppenversicherung nicht nur eine rabattierte Einzelversicherung war, sondern ein anderes Produkt." (Regina Bruckner, derStandard.at, 30.1.2011)

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    Je mehr sich zusammentun, umso größer der Rabatt, nach diesem Prinzip funktioniert auch die Gruppenkrankenversicherung. Was die Verträge alt betrifft, so waren diese vor allem im Finanzsektor im Energiesektor, früher in der verstaatlichten Industrie und kaum in Handelsbetrieben zu finden. Die "schlanken" neuen Vereinbarungen finden sich bei den üblichen Verdächtigen in Sachen freiwillige Sozialleistungen für die Mitarbeiter, der IT- und Kommunikationsbranche.

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