Export-Gaul rennt wieder

25. Jänner 2011, 17:53
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Wien - Die deutsche Wirtschaft brummt wieder und zieht im Schlepptau auch die heimischen Unternehmen mit. Über 28 Milliarden Euro wurden von Jänner bis Oktober 2010 nach Deutschland exportiert.

Damit ist das Nachbarland weiterhin der mit Abstand wichtigste Handelspartner für Österreich (siehe Grafik) und hauptverantwortlich für die positiven Zahlen des Gesamtjahres 2010. Laut vorläufigen Daten der Wirtschaftskammer wurden insgesamt Waren und Dienstleistungen im Wert von fast 109 Mrd. Euro exportiert - ein Anstieg um 16 Prozent gegenüber dem Krisenjahr 2009. Allerdings: Die Importe fielen, wie fast immer in den vergangenen Jahrzehnten, mit 112,7 Mrd. Euro noch höher aus, was für eine negative Handelsbilanz sorgt.

Bricht die Konjunktur nicht nochmal ein, sollte es heuer einen Allzeit-Rekord bei den Ausfuhren geben. "Der Export ist vom lahmenden Gaul wieder zum Running Horse geworden", sagte Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl. Einen traditionell großen Stellenwert nehmen die österreichischen Zulieferer in der Autoindustrie ein. Der Bereich "Maschinenbauerzeugnisse und Fahrzeuge" ist folglich mit fast 30 Mrd. Euro auch der größte Einzelsektor in der Exportstatistik.

In Summe liefern bereits 40.000 österreichische Unternehmen ins Ausland. Und Export ist keineswegs nur eine Sache für große Konzerne. Mehr als 10.000 der exportierenden Betriebe haben weniger als 20 Mitarbeiter.

Deutlich niedergeschlagen haben sich in den Statistiken die gigantischen Wachstumsraten in China und der Türkei. Die Exporte nach China haben um 43,6 Prozent zugenommen, jene in die Türkei um 38 Prozent. Verstärkt in den Fokus gerückt ist auch die Ukraine, in die 32,7 Prozent mehr ausgeführt wurde.

In absoluten Zahlen sind die heimischen Unternehmen aber nach wie vor sehr stark auf Europa konzentriert. Mehr als 82 Prozent aller Ausfuhren gehen in andere europäische Länder. Acht der zehn größten Exportmärkte liegen in Europa.

Tourismusstreit offen

Die Unterschiede spiegeln sich auch in einem Vergleich mit Deutschland wider. Österreichs Ausfuhren nach China machten zuletzt knapp zwei Prozent der Exporte aus, im großen Nachbarland beträgt der Anteil knapp fünf Prozent. Auch die Lieferungen nach Japan haben in Deutschland das doppelte Gewicht. Weniger Waren nach Europa, mehr in den Rest der Welt - dieses Motto schlägt auch bei den USA-Exporten durch, die rund sieben Prozent der deutschen Ausfuhren ausmachen, aber nur vier Prozent der österreichischen. Allerdings relativiert sich die schlechtere Exportstruktur des österreichischen Außenhandels, indem Zulieferungen via Deutschland auch verstärkt in die Zukunftsmärkte gelangen.

Ob und in welcher Form sich die Mitarbeiter der Wirtschaftskammer künftig verstärkt auch um Tourismuswerbung kümmern werden, ist noch unklar. Wie berichtet hat die Kammer vorerst eine acht Millionen Euro schwere Kooperation mit der Österreich Werbung aufgekündigt. Ein Spitzentreffen mit Minister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) habe eine Annäherung gebracht, berichtete Leitl. Er strebt verstärkte Kooperationen der Außenwirtschaft mit der Österreich Werbung sowie auch mit den Landes-Tourismusverbänden an. Künftig soll es auch mehr Sachleistungen, sprich überlassenes Personal, geben. Er rechne mit einer neuen Vereinbarung bis Ende Jänner, sagte Leitl. (go, as, Der STANDARD, Printausgabe, 26.1.2011)

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