Lehrer-Gewerkschaft legt sich quer

23. Jänner 2011, 08:29
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"Paradebeispiel für unnötige und überbordende Verwaltung"

Wien - Die Lehrer-Vertreter legen sich bei der von Unterrichtsministerin Claudia Schmied vorgelegten Neuorganisation der Schulaufsicht quer. Die Maßnahme sei noch nicht mit der Standesvertretung ausverhandelt, außerdem bringe die Regelung Mehrkosten und sei ein "Paradebeispiel für unnötige und überbordende Verwaltung", heißt es in den Stellungnahmen zum Entwurf eines neuen Schulaufsichtsgesetzes, dessen Begutachtungsfrist nun abgelaufen ist.

Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass Schulinspektoren ab September 2012 zu "regionalen Qualitätsmanagern" werden. Damit hätten die Schulinspektionen im Regelfall ein Ende - vielmehr sollen im Bedarfsfall dann "externe Evaluationen" veranlasst werden. Die künftige Steuerung des Schulwesens soll über Zielvereinbarungen erfolgen, die von der Unterrichtsministerin mit den "Qualitätsmanagern" auf Ebene der Landesschulräte bzw. von diesen mit jenen auf Bezirksebene und von letzteren mit den Direktoren abgeschlossen werden.

Die Schulen müssen sich außerdem regelmäßig selbst evaluieren - und zwar unter Einbeziehung extern erhobener Daten und der Rückmeldung externer Experten wie qualifizierter Vertreter etwa anderer Schulen oder Pädagogischer Hochschulen. Diese Externen werden im Regelfall von der Schule selbst, im Bedarfsfall aber auch von den "Qualitätsmanagern" beauftragt.

Zweifel an Kostenneutralität

Die AHS-Lehrer bezweifeln etwa die im Gesetzesentwurf hervorgestrichene Kostenneutralität des Entwurfs: "Externe Evaluierung kann nicht kostenneutral sein." Die Pflicht zum Abschluss von Zielvereinbarungen sowie im Anschluss der Erstellung eines Qualitätsberichts mit Ergebnissen und Analysen führe zur Produktion von "zigtausend Seiten Papier, die auch beim besten Willen kein Mensch je lesen wird und lesen kann". Auch dass die vorgesehene Selbstevaluierung "auf die Einbeziehung der Schulpartner" und auf Transparenz achten soll, findet nicht das Gefallen der Personalvertreter: "Das hat selbstverständlich nichts mit einer wahrhaftigen Feedback-Kultur zu tun, sondern macht Ergebnisse der 'Selbstevaluierung' öffentlich und wird deshalb von der AHS-Gewerkschaft abgelehnt."

Sowohl die Lehrer an AHS als auch BMHS (Berufsbildende Mittlere und Höhere Schulen) verstehen nicht, warum die eigentlichen Aufgaben der Schulinspektion an Externe ausgelagert werden sollen. Beide fordern außerdem die volle Abgeltung der Mehrarbeit für die Lehrer - den BMHS-Lehrern schwebt etwa die Einrechnung von zwei Wochenstunden pro Lehrer vor.

Am gedämpftesten ist noch die Kritik der Pflichtschullehrer: Sie befürchten durch die neuen Aufgaben vor allem eine stärkere Belastung der Direktoren - diese müssten durch Sekretariate bzw. Administratoren entlastet werden -, was aber der angestrebten Kostenneutralität widerspreche. (APA)

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